Moritz de Hadeln: Langjähriger Berlinale-Chef mit 85 Jahren gestorben
Berlinale-Chef Moritz de Hadeln gestorben

Moritz de Hadeln ist tot: Der langjährige Berlinale-Chef starb im Alter von 85 Jahren

Moritz de Hadeln, der von 1980 bis 2001 die Internationalen Filmfestspiele Berlin leitete, ist tot. Er starb am Samstag in einem Krankenhaus im schweizerischen Nyon, wie seine Familie mitteilte. De Hadeln wurde 85 Jahre alt. Mit seiner Amtszeit von 21 Jahren ist er bis heute der dienstälteste Leiter der Berlinale.

Ein Leben für das Festival: „Die Berlinale war beinahe mein Leben“

Als de Hadeln 2001 von seinem Posten enthoben wurde, reagierte er gekränkt: „Niemand versteht, was ich getan haben soll. Habe ich silberne Löffel gestohlen?“ In einem Gespräch mit dem Tagesspiegel zu seinem Abschied sagte er: „Ich habe immer für dieses Festival gekämpft, damit es wird, was es heute ist. Das habe ich nicht für Geld getan, sondern mit ganzem Herzen. Die Berlinale war beinahe mein Leben, wir haben sie wie ein Kind jede Nacht ins Bett gebracht.“

Der Brückenbauer zwischen Ost und West

De Hadeln übernahm die Berlinale 1980, als die große Zeit des Autorenfilms zu Ende ging. Dennoch standen Regisseure wie Rainer Werner Fassbinder, der 1982 mit „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ den Goldenen Bären gewann, im Mittelpunkt. De Hadeln verstand sich als Brückenbauer im Ost-West-Konflikt und skizzierte seine Aufgabe so: „keine antikommunistischen Aktivitäten, keine antisozialistischen Aktivitäten und die Verpflichtung zu einer positiv humanistischen Einstellung.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Pionierarbeit für asiatische Filme und der Umzug zum Potsdamer Platz

Nach der Wende interessierte ihn die politische Situation oft weniger, als dass er seinen Anspruch verfolgte, ein gutes Festival zu machen. Er baute den Anteil asiatischer Filme aus, insbesondere durch seine Kontakte nach China, Malaysia, Indonesien und Thailand. Zum 50. Geburtstag der Berlinale im Jahr 2000 organisierte er den Umzug aus der City West zum Potsdamer Platz.

Vom Physikstudenten zum Festivalmacher

Moritz de Hadeln wurde 1940 im britischen Exeter geboren und wuchs in Florenz auf. Er studierte Physik und Chemie an der Pariser Sorbonne und arbeitete als Fotograf. 1969 gründete er mit seiner Frau Erika das Dokumentarfestival in Nyon, leitete in den 1970er Jahren das Locarno Filmfestival und wurde schließlich Berlinale-Chef.

Nach der Berlinale: Venedig und Montréal

Nach seiner Kündigung als Berlinale-Chef mit 61 Jahren fühlte er sich zu jung für den Ruhestand. Er wurde für zwei Jahre Direktor des Filmfestivals in Venedig, wo er verstärkt auf Hollywoodfilme und große Stars setzte, und später auch des neu gegründeten Filmfestivals in Montréal. Nun ist Moritz de Hadeln in Nyon gestorben.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration