Herbert Grönemeyer erhält Deutschen Nationalpreis und kritisiert Politik
Grönemeyer erhält Nationalpreis und kritisiert Politik

Herbert Grönemeyer, der bekannte Musiker und Schauspieler, ist am Dienstag mit dem Deutschen Nationalpreis geehrt worden. Die Auszeichnung würdigt sein langjähriges gesellschaftliches Engagement. In seiner Dankesrede nutzte der 70-Jährige die Gelegenheit, um sowohl die deutsche Politik zu kritisieren als auch die Zivilgesellschaft zu loben.

Grönemeyer über seine Verantwortung

„Ich bin ein knackiger, mittelalter, weißhaariger, 70-jähriger Mann aus der Boomergeneration. Ich trage eine große Verantwortung für die mir folgenden Generationen und die trage ich gern“, sagte Grönemeyer. Er betonte, dass die Gesellschaft „prallvoll mit demokratischen, humanistischen Elementen“ sei. Als positives Beispiel nannte er die Flüchtlingshilfe im Jahr 2015, als viele Menschen in Deutschland Geflüchtete aufnahmen und unterstützten.

Kritik an Kanzlerin Merkel und Kanzler Scholz

Grönemeyer übte scharfe Kritik an der Kommunikation der deutschen Spitzenpolitiker. „In den vergangenen 20 Jahren ist von Seiten Deutschlands Spitzenpolitikerinnen und -politikern aus mit der Bevölkerung nicht und über nichts gesprochen worden“, erklärte er. Speziell kritisierte er die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Frau Merkel schwieg, außer dem: ‚Wir schaffen das‘, dann wieder Schweigen.“ Auch der amtierende Kanzler Olaf Scholz bekam sein Fett weg: „Herr Scholz kopierte den Stil, setzte noch einen darauf, sprach kurz von der ‚Zeitenwende‘ und verfiel dann wieder ins Stumme.“

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Die aktuelle Bundesregierung ließ Grönemeyer ebenfalls nicht gut dastehen: „Und jetzt läuft es sprachtechnisch auch eher noch lückenhaft und holprig. Die jetzige Koalition scheint eher die Ampel in ihrem öffentlichen Gezerre und Gezeter nachzuahmen, anstatt als Regierung zu Kompromissen und klaren weiterführenden Ergebnissen und Entschlüssen zu kommen und zu regieren.“

Vergleich mit der Fußball-Nationalmannschaft

Um seine Forderung nach mehr Zusammenhalt zu unterstreichen, zog Grönemeyer einen Vergleich zum Fußball. Er verwies auf die deutschen Nationalspieler Felix Nmecha (Borussia Dortmund) und Aleksandar Pavlović (FC Bayern München), die in der Bundesliga harte Konkurrenten sind, sich aber im Nationalteam nicht bekämpfen. „Aber sie kabbeln sich nicht im Mittelkreis, sondern suchen gemeinsam den direkten Weg zum Tor. So geht das. Wir wollen Taten und kein Getratsche“, so der Musiker.

Die Verleihung des Deutschen Nationalpreises fand in Berlin statt. Grönemeyer teilte sich dabei einen Handventilator mit Andreas Voßkuhle, dem früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts. Der Preis wird jährlich von der Deutschen Nationalstiftung vergeben und würdigt Persönlichkeiten, die sich um das Gemeinwohl verdient gemacht haben.

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