Wagner-Festspiele: BILD erklärt die Oper „Rienzi“ von A bis Z
Wagner-Festspiele: BILD erklärt die Oper „Rienzi“

Bayreuth – Er wird vom Volk gefeiert – und später von genau diesem Volk gejagt! Richard Wagners Oper „Rienzi“ beruht auf der Geschichte des römischen Politikers Cola di Rienzo (1313–1354). Im Rom des 14. Jahrhunderts kämpft er gegen mächtige Adelsclans, die tun und lassen, was sie wollen. Wagner macht daraus einen gewaltigen Polit-Thriller – mit einer erfundenen Liebesgeschichte: Rienzis Schwester Irene liebt ausgerechnet Adriano, den Sohn eines verfeindeten Adelshauses. Mithilfe der Bürger steigt Rienzi zum Herrscher auf dem Kapitol auf. Sein Traum: ein gerechtes und friedliches Rom. Doch aus dem Hoffnungsträger wird ein selbstherrlicher Machthaber. Der Adel hetzt gegen ihn, die Kirche belegt ihn mit dem Bann, das Volk wendet sich ab. Am Ende brennt das Kapitol. Rienzi stirbt in den Flammen.

Mit Spannung erwartete Premiere: Sopranistin Gabriela Scherer (44) singt in Bayreuth 2026 in „Rienzi“. Die Produktion verspricht eine Neuentdeckung des Frühwerks, das oft im Schatten der späteren Musikdramen steht.

Von A bis Z: Die wichtigsten Aspekte der Oper

A – Aristokratie: Roms Adelsfamilien machen ihre eigenen Gesetze. Rienzi will ihre Macht brechen – und wird dabei selbst zum Mächtigen.

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B – Bürgertum: Ohne die Bürger wäre Rienzi nichts. Sie tragen ihn nach oben. Als sie ihm die Unterstützung entziehen, beginnt sein Absturz.

C – Colonna: Eine der mächtigsten Adelsfamilien Roms – und Rienzis Erzfeind. Besonders brisant: Adriano Colonna liebt Rienzis Schwester Irene.

D – Dresden: Hier wurde „Rienzi“ am 20. Oktober 1842 uraufgeführt. Für Wagner war es der erste große Triumph als Opernkomponist.

E – Erneuerung und Enttäuschung: Rienzi will eine neue, gerechte Gesellschaft schaffen. Der Traum endet in Hass, Gewalt und Flammen.

F – Frieden und Freiheit: Rienzi verspricht beides. Er will den Adel befrieden und den Bürgern mehr Rechte geben. Doch seine Politik scheitert.

G – Grand Opéra: „Große Oper“ auf Französisch – und bei „Rienzi“ ist wirklich alles groß: fünf Akte, Ballett, Massenszenen, mächtige Chöre und jede Menge Drama.

H – Hosenrolle: Ein Mann, gesungen von einer Frau: Adriano ist eine sogenannte Hosenrolle. Wagner schrieb die Partie für eine Mezzosopranistin.

I – Irene: Rienzis Schwester liebt Adriano Colonna. Ihre Beziehung verbindet zwei verfeindete Lager – und macht den politischen Konflikt noch explosiver.

J – Jubel: Das Volk feiert Rienzi in gewaltigen Chören: „Erschallet, Feierklänge“ und „Auf, schützt den Tribun!“ Doch der Jubel hält nicht lange.

Hintergründe und Besonderheiten

K – Komposition: Noch folgt Wagner dem Vorbild der französischen Grand Opéra. Gleichzeitig hört man schon seinen großen Anspruch: Gesang, Text, Orchester, Bühne und Handlung sollen zu einem Gesamterlebnis verschmelzen.

L – Linz: Als Jugendlicher hörte Adolf Hitler „Rienzi“ in Linz. Die Oper wurde zu einem seiner bevorzugten Wagner-Werke. Immer wieder wurde darüber spekuliert, ob der Aufstieg des Tribuns in der Oper das politische Selbstbild Hitlers beeinflusste. Eine einfache, direkte Linie zu seiner mörderischen Ideologie lässt sich daraus aber nicht ziehen.

M – Macht: Alle wollen sie: der Adel, die Kirche, Rienzi und schließlich das Volk. Der Kampf um Macht treibt die gesamte Oper an.

N – Name: Der historische Tribun hieß Nicola di Lorenzo Gabrini (1313–1354) und wurde Cola di Rienzo genannt. Aus „Rienzo“ machte Wagner für seine Oper „Rienzi“.

O – Ouvertüre: Der größte Hit der Oper! Viele kennen das wuchtige Orchestervorspiel, ohne jemals eine komplette Aufführung von „Rienzi“ gesehen zu haben.

P – Partitur: Wagners handschriftliche Originalpartitur befand sich zuletzt im Besitz Adolf Hitlers. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist sie verschollen.

Q – Quelle: Wagners wichtigste Vorlage war der englische Roman „Rienzi, der Letzte der Tribunen“ von Edward Bulwer-Lytton aus dem Jahr 1835. Mit den historischen Fakten ging Wagner ziemlich frei um.

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R – Rom: Schauplatz und Hauptthema zugleich. Es geht um die Stadt, ihre Gesetze, ihre Bürger – und um die Frage, wem Rom eigentlich gehört.

S – Striche: „Rienzi“ wird fast immer gekürzt. Das ist kein Skandal, sondern Überlebenshilfe: Die vollständige Oper ist extrem lang und aufwendig.

T – Tod und Theater: Bei Wagner stirbt Rienzi spektakulär im brennenden Kapitol. In Wirklichkeit wurde der historische Cola di Rienzo 1354 während eines Aufstands getötet. Wagner entschied sich für das größere Bühnen-Inferno.

U – Untergang statt Umsturz: Rienzi will die Verhältnisse verändern. Am Ende geht nicht nur er unter – auch seine politischen Ideen scheitern.

Praktische Hinweise und Empfehlungen

V – Volkstribun: Rienzi versteht sich als Vertreter der einfachen Bürger gegen den Erbadel. Seine Macht erhält er nicht durch seine Herkunft, sondern durch die Unterstützung des Volkes.

W – Willkür: Zuerst kämpft Rienzi gegen die Willkür des Adels. Später handelt er selbst immer eigenmächtiger. Da macht „sein“ Volk plötzlich nicht mehr mit.

X – XXL: Die Urfassung dauert ungefähr fünf Stunden. Für Bayreuth wird kräftig gekürzt: Dort soll die Oper rund drei Stunden dauern.

Y – YouTube: Der schnellste Weg zu „Rienzi“: Ouvertüre und Gebets-Arie anklicken, Lautsprecher aufdrehen – und los!

Z – Zuhören: Es gibt wenige Mitschnitte. Empfehlenswert: Die Aufnahme der Bayerischen Staatsoper von 1983 unter Wolfgang Sawallisch, mit René Kollo in der Titelrolle. Die berühmte Gebets-Arie „Allmächt’ger Vater“ gibt es unter anderem mit Jonas Kaufmann, Lauritz Melchior, Michael Spyres, Ludwig Suthaus und Klaus Florian Vogt. Besonders stark: John Mitchinsons Aufnahme von 1976. Auch von der Ouvertüre existieren zahlreiche Aufnahmen – etwa unter Daniel Barenboim, Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan, Hans Knappertsbusch, Georg Solti und Christian Thielemann. Besonders spannend: Roger Norringtons Version von 1995.