Laura Wagners Romandebüt „Tutto Bene“ entführt die Leser in die Welt eines Berliner Spätkaufs. Der Kiosk, im Volksmund liebevoll „Späti“ genannt, dient als zentrale Kulisse für ein vielschichtiges Liebesdrama. Die 1990 geborene Autorin, die zuvor als Journalistin tätig war, wählt diesen ungewöhnlichen Schauplatz bewusst, um die besondere Atmosphäre der Hauptstadt einzufangen.
Ein Kiosk als Mikrokosmos
Der Spätkauf in „Tutto Bene“ ist mehr als nur ein Ort, an dem man Getränke und Snacks kauft. Er wird zum Treffpunkt für Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten und Nationen. Hier kreuzen sich die Wege der Protagonisten, die alle ihre eigenen Geschichten und Geheimnisse mitbringen. Wagner gelingt es, in diesem begrenzten Raum eine ganze Welt zu erschaffen, die vom hektischen Großstadtleben bis zur stillen Einsamkeit reicht.
Die Handlung dreht sich um eine komplizierte Liebesgeschichte, die sich zwischen den Regalen und Kühlschränken des Kiosks entspinnt. Der Leser wird Zeuge von Annäherungen, Missverständnissen und leidenschaftlichen Geständnissen, die alle unter dem flackernden Licht der Neonröhren stattfinden. „Der Späti ist wie eine Bühne, auf der die großen und kleinen Dramen des Lebens aufgeführt werden“, erklärt Wagner in einem Interview.
Authentizität durch Berliner Lokalkolorit
Die Autorin legt großen Wert auf Authentizität. Sie beschreibt die Geräusche, Gerüche und das hektische Treiben in einem Berliner Spätkauf so lebendig, dass man meint, selbst vor dem Kühlregal zu stehen. Dabei greift sie auf ihre eigenen Erfahrungen zurück: „Ich habe selbst jahrelang in einem Späti gearbeitet und weiß, wie vielschichtig dieser Ort ist“, so Wagner. Diese Detailtreue verleiht dem Roman eine besondere Glaubwürdigkeit und macht ihn zu einem Liebesbrief an die Berliner Kiezkultur.
Die Figuren in „Tutto Bene“ sind allesamt sorgfältig gezeichnet. Da ist der melancholische Inhaber, der von einer großen Liebe träumt, die junge Studentin, die nachts noch schnell eine Cola kauft, und der ältere Stammkunde, der jeden Abend sein Bier holt. Jeder von ihnen trägt ein Stück zur Handlung bei und zeigt, dass ein Späti weit mehr ist als nur ein Laden – er ist ein sozialer Knotenpunkt.
Ein Debüt mit Tiefgang
Laura Wagner, die zuvor als freie Journalistin unter anderem für den Tagesspiegel arbeitete, beweist mit „Tutto Bene“ ein feines Gespür für Dialoge und Atmosphäre. Ihr Schreibstil ist klar und direkt, aber dennoch poetisch. Sie scheut sich nicht, auch schwierige Themen wie Einsamkeit, Identitätssuche und gescheiterte Beziehungen anzusprechen, ohne dabei in Melodramatik zu verfallen.
Der Titel „Tutto Bene“ – italienisch für „alles gut“ – mag auf den ersten Blick optimistisch klingen, doch der Roman zeigt, dass das Leben selten so einfach ist. Die Protagonisten müssen lernen, dass Liebe und Glück oft mit Hindernissen verbunden sind. „Ich wollte zeigen, dass selbst in den alltäglichsten Orten große Gefühle wohnen können“, sagt die Autorin.
Rezeption und Bedeutung
Bereits vor der offiziellen Veröffentlichung am 20. Juli 2026 stieß der Roman auf reges Interesse in der Literaturszene. Kritiker loben die originelle Wahl des Schauplatzes und die gelungene Charakterzeichnung. „Ein mutiges Debüt, das den Berliner Späti endlich als literarischen Ort etabliert“, schrieb die Literaturkritikerin Anna Müller in ihrer Vorabrezension.
Der Roman ist nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch eine Hommage an die Berliner Spätkauf-Kultur, die in den letzten Jahren zunehmend unter Druck geraten ist. Steigende Mieten und veränderte Konsumgewohnheiten bedrohen viele dieser kleinen Läden. Wagner möchte mit ihrem Buch ein Zeichen setzen: „Der Späti ist ein Stück Berliner Identität, das es zu bewahren gilt.“
„Tutto Bene“ ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen und umfasst 320 Seiten. Es ist als gebundene Ausgabe und als E-Book erhältlich. Lesungen in Berliner Buchhandlungen und Spätis sind bereits geplant.



