Neues Buch: James Bond und die queere Geschichte
James Bond: Die queere Geschichte hinter 007

Neues Buch über James Bond: „Bond, Queer Bond“ – Die andere Geschichte von 007

Wer der neue 007 wird, ist offen. Ein neues Buch verkürzt das Warten. Es erzählt die kaum bekannte Geschichte der queeren Persönlichkeiten und Einflüsse, die das Phänomen James Bond geprägt haben.

James Bond gilt als Inbegriff des heterosexuellen Frauenhelden. Doch ein neues Buch beleuchtet jetzt die überraschend engen Verbindungen der 007-Welt zur LGBTQ-Historie. „Bond, Queer Bond: The Fabulous Other History of a Spy“ des britischen Autors Mark O’Connell erzählt von queeren Künstlern, Autoren, Schauspielern und Produzenten, die die Bond-Reihe über Jahrzehnte mitprägten.

„Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Zwischen 007 und queerer Geschichte gibt es doch eigentlich keine Verbindung“, sagte O'Connell der Deutschen Presse-Agentur in London. „Doch wenn in der Geschichte einer kulturellen Ikone wie James Bond wichtige Personen, prägende Einflüsse und alternative Lesarten fehlen, dann erzählen wir eben nicht die ganze Geschichte von Commander Bond.“

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Welchen Einfluss Oscar Wilde auf 007 hatte

Laut O’Connell war ein Film über Oscar Wilde mit dafür verantwortlich, dass die James-Bond-Filmreihe 1962 startete. Filmproduzent Albert R. „Cubby“ Broccoli hatte 1960 das Drama „The Trials of Oscar Wilde“ produziert. Trotz massiven Drucks amerikanischer Moralhüter weigerte er sich, eine Szene, in der über Homosexualität gesprochen wurde, herauszuschneiden. Das schadete seinem Film damals wirtschaftlich. So habe Broccoli ein neues Erfolgsprojekt gebraucht – und versuchte es mit 007.

Es ist nicht der einzige Bezug zu Oscar Wilde. So habe der legendäre Bond-Designer Ken Adam bereits bei „The Trials of Oscar Wilde“ zentrale Stilmittel entwickelt, die später die Ästhetik der 007-Filme prägten. O’Connell beschreibt etwa, wie bestimmte Raumdesigns und Perspektiven aus dem Wilde-Film später in Bond-Klassikern wie „Dr. No“ oder „Thunderball“ wieder auftauchten.

Kaum bekannte Verbindungen, ernüchternde Widersprüche

O'Connell zeigt zahlreiche kuriose und wenig bekannte Verbindungen zwischen Bond und queerer Kulturgeschichte. „Ich wollte wirklich ergründen, warum bestimmte künstlerische, kreative und wegweisende Entscheidungen das Bond-Franchise zu dem gemacht haben, was es heute ist“, sagte O'Connell. „Diese Perspektive ergänzt die bekannte Chronik von 007 nicht nur – sie verändert und bereichert unser Verständnis von James Bond grundlegend.“

Ian Flemings langjähriger Verlagslektor, der offen homosexuelle Schriftsteller und Dichter William Plomer, gehörte laut O’Connell zu den wichtigsten Förderern der 007-Romane. Plomer habe Fleming immer wieder ermutigt, an Bond festzuhalten, Manuskripte redigiert und früh das Potenzial einer langlebigen Reihe erkannt. Fleming widmete ihm sogar den Roman „Goldfinger“.

Bei seinen Recherchen stieß der Autor auch auf ernüchternde Widersprüche. So habe der schwule Cutter und Regisseur Peter Hunt („Im Geheimdienst Ihrer Majestät“) zwar maßgeblich geprägt, wie heterosexuelle Männlichkeit in den Bond-Filmen der 1960er Jahre mit Sean Connery und George Lazenby dargestellt und wahrgenommen wurde. „Aber gleichzeitig war es ihm gesetzlich verboten, den Menschen zu lieben und mit ihm zusammenzuleben, den er selbst gewählt hatte.“

Eine lesbische Gang, ein schwules Killerpaar

O’Connell beschränkt sich nicht nur auf historische Hintergründe, sondern analysiert auch queere Untertöne innerhalb der 007-Bücher und -Filme, darunter die lesbische Gang um Pussy Galore im Roman „Goldfinger“ sowie die exzentrischen, schwulen Killer Mr. Wint und Mr. Kidd aus „Diamantenfieber“ – laut O'Connell „zwei der ersten queeren Männer, die ich überhaupt irgendwo gesehen habe“.

Er verweist zudem auf Javier Bardems zweideutigen Bösewicht Silva in „Skyfall“ sowie den offen schwulen Schauspieler Ben Whishaw, der in mehreren Bond-Filmen den Tüftler Q spielt, dessen Homosexualität in einer Szene von „Keine Zeit zu sterben“ erstmals angedeutet wird.

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„Bond, Queer Bond“ verknüpft O’Connell LGBTQ-Geschichte mit Film- und Popkultur. Dafür griff er auf Briefe, Produktionsgeschichten, Archivmaterial und persönliche Verbindungen zur Bond-Welt zurück. Sein Großvater arbeitete übrigens jahrzehntelang für die Broccoli-Familie und deren Produktionsfirma EON.