Jelineks neues Buch: Fuchs und Hase klagen Kapitalismus an
Jelineks neues Buch: Tiere klagen Kapitalismus an

Jelineks neues Buch: Fuchs und Hase klagen Kapitalismus an

Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek feiert im Oktober ihren 80. Geburtstag. Ihr aktuelles Werk „Unter Tieren“ zeigt sie einmal mehr als scharfe Gesellschaftskritikerin. Auch mit bald 80 Jahren hat Jelinek nichts von ihrer Bissigkeit und Radikalität eingebüßt. Ihr neues Buch ist eine bitterböse Abrechnung mit dem Kapitalismus und mit einer aus den Fugen geratenen Welt, in der der Mensch mehr und mehr zum Spielball seiner eigenen Begierden und Unersättlichkeit wird.

Unter der Maske verschiedener Tiere – Fuchs, Bär, Hase – erhebt Jelinek Anklage gegen habsüchtige Banker, skrupellose Immobilienhaie und verlogene Politiker, die arglose Kunden, Wähler und Mieter über den Tisch ziehen. Sie schlägt den Bogen aber noch weiter, indem sie mit der selbst verschuldeten Umweltzerstörung, der Tiermisshandlung und mörderischen Kriegslust abrechnet, die die Menschheit in den Abgrund treibt. Jelineks Buch ist ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin, die am 20. Oktober ihren 80. Geburtstag feiert.

Tiere versuchen, modernen Finanzkapitalismus zu verstehen

Tauben, Schweine, Affen, aber auch das „Lamm Gottes“ und der „Für und Widder“ treten nacheinander auf und beklagen in wütenden, teilweise sarkastischen und resignierten Tiraden das Elend der durch Geld entstellten Welt. Am Ende verlieren alle außer den „Weltenlenkern“ und „Weltenbankern“, für die der Rubel immer lustig weiter rollt. Der große Rest wird dagegen mit hohlen Versprechen der „wunderbaren Geldvermehrung“, falschen Krediten, waghalsigen Anleihen und betrügerischen Kryptowährungen klein gehalten, ausgepresst und abgespeist: „Der Schuldner ist nämlich die zentrale Figur bei alldem, weil er, und nur er, die Profite der anderen ermöglicht.“

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Es gibt ein paar Anspielungen auf aktuelle und vergangene Finanzskandale wie etwa den Zusammenbruch des Immobilienimperiums von René Benko oder die Spenden- und Schwarzgeldaffäre unter Helmut Kohl. Im Großen und Ganzen aber bleibt der Text im Vagen und Allgemeinen. Er ist keine präzise Analyse, sondern schafft durch Sprache eine Atmosphäre von Dringlichkeit, Beklemmung und Abgründigkeit.

„Unter Tieren“ im August als Stück bei den Salzburger Festspielen

Jelinek spielt mit bekannten Sprachbildern, Slogans und Redewendungen. So behauptet der Fuchs „Wir sind ein Volk, mehr geht nicht.“ Und das vom Schlachter bedrohte Schwein klagt: „Ich bin doch so viel mehr als die Summe meiner Teile!“ „Unter Tieren“ ist als Lesestück anspruchsvoll und herausfordernd, insgesamt jedoch zu langatmig und redundant. Eine erste Kostprobe gab es im Mai bei einer viereinhalbstündigen öffentlichen „Marathon-Leseprobe“ im Wiener Burgtheater. Als Theaterstück ist es womöglich überzeugender. Am 16. August wird „Unter Tieren“ bei den Salzburger Festspielen unter der Regie von Nicolas Stemann uraufgeführt. Unter anderem sind die Schauspielerinnen Mavie Hörbiger und Caroline Peters dabei.

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