Philippe Sands erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Philippe Sands erhält Friedenspreis des Buchhandels

Der Menschenrechtsanwalt und Buchautor Philippe Sands erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die Jury des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zeichnet den 1960 in London geborenen Juristen für sein literarisches Werk und seinen unermüdlichen Einsatz für das Völkerrecht aus. Sands, Professor für Internationales Recht, arbeitet am Internationalen Gerichtshof in Den Haag und gilt als einer der bedeutendsten Menschenrechtsanwälte der Gegenwart.

Eine ungewöhnliche, aber überzeugende Wahl

Die Entscheidung, einen Juristen mit dem renommierten Friedenspreis zu ehren, mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Doch Sands verbindet in einzigartiger Weise juristische Expertise mit literarischem Schaffen. Der Börsenverein bezeichnet ihn „als einen der gegenwärtig wichtigsten Menschenrechtsanwälte“. Seine Arbeit umfasst eine Vielzahl bedeutender Fälle: Er vertrat die Salomon-Inseln gegen die Bedrohung durch Nuklearwaffen, Georgien im Rechtsstreit mit Russland um Südossetien, Palästina im Verfahren zur Rechtmäßigkeit der israelischen Besetzung und aktuell Gambia im Verfahren gegen Myanmar wegen Völkermords an der muslimischen Minderheit der Rohingya.

Zudem setzt sich Sands dafür ein, „Ökozid“ – die Zerstörung von Ökosystemen – als Straftatbestand vor dem Internationalen Gerichtshof anzuerkennen. Dies unterstreicht sein Engagement für eine Weiterentwicklung des Völkerrechts, das über traditionelle Menschenrechtsfragen hinausgeht.

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Der Schriftsteller Philippe Sands

Neben seiner anwaltlichen Tätigkeit ist Sands ein gefeierter Autor. Seine Bücher, die im S. Fischer Verlag erscheinen, verbinden Sachbuch, Reportage und Literatur. Erst vor einem Jahr erschien auf Deutsch „Die Verschwundenen von Londres 38. Über Pinochet in England und einen Nazi in Patagonien“. Darin verknüpft Sands den Prozess gegen den chilenischen Ex-Diktator Augusto Pinochet, der Ende der 1990er Jahre in London stattfand, mit seinen Recherchen über den Ex-SS-Offizier Walther Rauff. Rauff, der nach dem Krieg in Chile lebte und eine Krabbenfabrik leitete, half Pinochet möglicherweise bei Verbrechen gegen Oppositionelle.

In seinem Vorwort schreibt Sands: „Es ist eine persönliche Reise. Es geht um Gerechtigkeit und Erinnerung und Straffreiheit, über Zeit und Ort hinweg, und um die Bande, die unsere seltsamen Existenzen miteinander verflechten, in denen so häufig Fragen und Zufälle auftreten.“ Dieses Credo zieht sich durch sein gesamtes Werk.

Weitere Werke und die Verbindung von Recht und Literatur

Bereits zuvor veröffentlichte Sands „Die Rattenlinie – ein Nazi auf der Flucht“, ein Buch über den SS-Offizier Otto Wächter, der als NS-Gouverneur von Krakau und Galizien Massenmorde verantwortete und nach 1945 untertauchte. Die zufällige Begegnung mit Wächters Sohn brachte Sands auf die Spur. Weitere Titel sind „Die letzte Kolonie. Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Indischen Ozean“ und „Rückkehr nach Lemberg“, in dem Sands die Verfolgung und Ermordung jüdischer Menschen in Lemberg während der deutschen Besatzung schildert. Im Zentrum stehen die Lebenswege der jüdischen Juristen Hersch Lauterpacht und Raphael Lemkin, die bei den Nürnberger Prozessen mitwirkten und das internationale Recht entscheidend prägten.

Die Jury des Friedenspreises begründet ihre Entscheidung mit Verweis auf Sands‘ literarisches Werk: „In seinem literarischen Werk, das mit erzählerischer Brillanz ebenso überzeugt wie mit historischer Tiefe, blickt Philippe Sands sowohl auf die Motive der Täter als auch auf das Leid und die Leben der Opfer.“ Sands zeige, was hinter juristischen Begriffen wie „Genozid“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ stecke – zeitgemäßer, nachvollziehbarer und aktueller könne die Wahl nicht sein.

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