Der Kabarettist Konrad Beikircher ist tot. Der Südtiroler, der mit seinen humorigen Analysen der rheinischen Lebensart überregional bekannt wurde, starb am Dienstag im Alter von 80 Jahren in Bonn. Das bestätigte seine Ehefrau Anne Beikircher der Deutschen Presse-Agentur: „Wir waren bei ihm.“
Vom Pustertal ans Rheinland
Beikircher wurde im Pustertal in Südtirol geboren und kam 1965 zum Studium nach Bonn. Dort blieb er. „Ich möchte nicht mehr weg von hier“, sagte er der dpa anlässlich seines 75. Geburtstags im Dezember 2020. „Meine Heimat ist und bleibt Südtirol. Aber mein Zuhause ist das Rheinland.“ Ihn fasziniere das dortige „mediterrane Lebensgefühl“ – nach dem Motto: Wichtig ist die Gegenwart – jetzt muss es schön sein.
Kultstatus mit „Himmel un Ääd“
Sein erstes Programm „Himmel un Ääd“ erreichte Kultstatus. Darin ließ er seine Kunstfigur „Frau Walterscheidt“ in rheinischer Leichtigkeit über Gott und die Welt philosophieren. Beikircher war ein künstlerisches Multitalent: Er spielte zahlreiche Instrumente, trat als Sänger – vorwiegend italienischer Lieder – auf, schrieb Kochbücher, Kindererzählungen und Opernführer und moderierte Konzerte mit großen Orchestern. „Am liebsten mache ich das, was mit Klassik zusammenhängt“, sagte er der dpa. „Das macht mir große Freude – das andere macht mir Spaß.“
Vom Gefängnispsychologen zur Bühne
Bis Mitte der 1980er Jahre arbeitete der Vater von fünf Kindern als Gefängnispsychologe in der JVA Siegburg, vor allem mit jungen Straftätern. „Ich konnte in jede Zelle gehen, auch in aufgeregteste Situationen, mir ist nie was passiert“, blickte er 2020 zurück. Doch die zunehmenden Formalitäten und behördlichen Auflagen engten ihn ein. Er kündigte zur „Selbstrettung“ – und bereute diesen Schritt keine Sekunde. Je länger er als Künstler unterwegs war, desto süchtiger wurde er nach der Bühne, besonders während der Corona-Pandemie: „Die Bühne ist ein Ort, wo ich mir allein gehöre, wo keine Kinder, keine Ehefrau, keine Umstände an mir zerren.“
Familie und Tod
Trotz seiner Liebe zur Bühne lehnte er den „schönsten Tod auf der Bühne“ ab. Er wolle zu Hause sterben, bei den Menschen, die ihm am wichtigsten seien. Angst vor dem Tod hatte er nicht: „Darauf bin ich sogar eher neugierig.“ Seine Frau Anne Beikircher sagte, er sei zweimal aus der Kirche ausgetreten, aber gläubiger Christ gewesen. „Er hat die Menschen mit seiner Kunst umarmt. Er hat die Menschen geliebt, das war authentisch. Und die Menschen haben ihn geliebt.“



