Passend zum Pride-Monat startet die preisgekrönte Serie „Proud“ bei HBO Max. Die Geschichte dreht sich um Filip, einen jungen, drogenaffinen und unbekümmerten Schwulen, der nach einer Tragödie in der Familie unerwartet und unvorbereitet die Vormundschaft für seine kleine Nichte übernehmen muss. Die Serie von Karol Klementowicz erhielt im März beim internationalen Festival Series Mania in Lille den prestigeträchtigen Grand Prix.
Handlung und Themen
Die achtteilige Dramaserie (ab 12. Juni eine Episode pro Woche; 8-mal circa 35 Minuten) behandelt Vorurteile, Schuldgefühle, Verantwortung für ein Baby, queeres Leben und Wahlfamilien in einer sozial konservativen Gesellschaft. Sie beleuchtet die Bedeutung von Fürsorge und Liebe. Bereits in der ersten Folge gibt es nach anderthalb Minuten den ersten nackten Männerhintern zu sehen, und nach gut dreieinhalb Minuten wird eine Schwulenorgie gezeigt – die Serie legt rasant los.
Vergleich mit „Heated Rivalry“
Schwule Hauptfigur und Streamingdienst HBO Max – das erinnert an den Hype um die Eishockey-Romanze „Heated Rivalry“, die zu Jahresanfang global für Aufsehen sorgte. „Proud“ erzählt jedoch eine andere Geschichte: Das Coming-out ist längst erfolgt, die Probleme sind vielfältiger. Die Series-Mania-Jury nannte die Produktion aus Polen „ein zutiefst bewegendes Porträt eines jungen Mannes an einem Wendepunkt“ und lobte die Auseinandersetzung mit alltäglicher Homophobie und der Ichbezogenheit des Protagonisten.
Auszeichnungen und Reaktionen
Hauptdarsteller Ignacy Liss, bekannt aus polnischen Netflix-Produktionen wie „Der Kurpfuscher“ (2023) oder „Open your eyes“ (2021), wurde in Lille als bester Schauspieler ausgezeichnet. Liss (28) sagte: „Eine solche Serie hat es bisher noch nicht gegeben.“ Er glaubt, dass „Proud“ das Potenzial habe, verschiedene Sichtweisen zu beleuchten und zu zeigen, dass man miteinander reden kann – und sollte. Creator und Regisseur Klementowicz erklärte: „Niemand wird seine Meinung ändern, nur weil er die Serie gesehen hat, aber vielleicht sieht man diesen Mann nicht mehr nur als Schwulen, sondern einfach als Menschen.“
Hintergrund und Ähnlichkeiten
Die Serie zeigt die Schwierigkeiten, mit denen ein junger Schwuler konfrontiert wäre, wenn er ein Kind adoptieren wollte – obwohl das Thema gleichgeschlechtliche Paare und Adoption in Polen (noch) gar nicht existiert. Der drogenaffine Filip hat sich „offensichtlich etwas verloren“. Die Handlung erinnert an das französische Kinojuwel „Mein Leben mit Amanda“ von 2018, in dem ein junger Mann nach dem plötzlichen Tod seiner Schwester die Verantwortung für deren Tochter übernimmt. In „Proud“ ist der Auslöser ein plötzlicher Herztod, und der Protagonist ist ein suchtkranker Schwuler.
Der mit einer Frau verheiratete Liss sagte gegenüber „Variety“, es sei anfangs schwer gewesen, Zugang zur Rolle des Partyschwulen mit einem Leben voller Sex-Dates und Drogenkonsum zu finden. „Jeder hat mal eine Phase, in der er es krachen lässt, aber bei ihm ist es so, dass er sich auf diesem Weg offensichtlich etwas verloren hat. Dennoch – und das ist das Wichtigste – ist auch er zu Liebe und Empathie fähig.“ Die Figur Filip sei als Waise aufgewachsen und wolle keinesfalls, dass das Kind seiner Schwester dasselbe durchmachen müsse.



