Nach fast fünf Jahrzehnten stellt das ZDF seine traditionsreiche Freitagskrimi-Serie „Ein Fall für zwei“ ein. Die letzte Staffel mit vier Episoden soll 2027 ausgestrahlt werden, wie der Mainzer Sender mitteilte. Anschließend werde ein 90-minütiger Spielfilm, der ebenfalls 2027 gedreht wird, „die Geschichte zu einem würdigen Abschluss führen“.
Das Ende einer Ära: Letzte Staffel und Abschlussfilm
Die Serie gibt es mit wechselnden Besetzungen seit 1981. In der Buddy-Krimiserie „Ein Fall für zwei“ spielen Wanja Mues den Privatdetektiv Leo Oswald und Antoine Monot den Rechtsanwalt Benni Hornberg. Die beiden sind gegensätzlich, aber beste Freunde. Privatdetektiv Oswald ist stets im Auftrag von Anwalt Hornberg unterwegs. Bereits im September 2026 kommt die vorletzte, zwölfte Staffel des aktuellen Teams, das seit 2014 im Einsatz ist, ins ZDF-Programm. 2027 folgt dann die 13. Staffel und das endgültige Aus.
„Ein Fall für zwei hat den ZDF-Freitagskrimi über mehr als vier Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt und Generationen von Zuschauerinnen und Zuschauern begleitet. Umso schwerer fällt nach reiflicher Überlegung die Entscheidung, die Reihe zu beenden“, teilte das ZDF mit.
ZDF setzt künftig auf weniger Formate am Freitag
Das Format des Freitagskrimis soll es „mit einer stärkeren Fokussierung auf wenige Formate“ weiterhin geben. Zum Freitagskrimi gehörten einst Serien wie „Der Kommissar“, „Derrick“, „Siska“ und „Der Staatsanwalt“. Bis heute und seit 1977 läuft die in München spielende Serie „Der Alte“ mit Darstellern wie Siegfried Lowitz, Rolf Schimpf, Walter Kreye, Jan-Gregor Kremp und Thomas Heinze. Seit 2012 wird die ebenfalls in München spielende Krimiserie „Die Chefin“ mit Katharina Böhm als Vera Lanz ausgestrahlt.
Aktuell und erst seit Anfang 2026 gibt es die im Dreiländereck am Bodensee spielende Serie „Mordufer“ mit Franziska Weisz und Maria Wördemann – die Reihe zeigt Ermittlungsarbeit von Kripo und Zoll. Die neue Serie soll den Freitagskrimi und „das bislang vorherrschend urbane Krimiangebot“ des ZDF „um eine landschaftlich geprägte Facette“ erweitern.
Reaktionen der Hauptdarsteller: Wehmut und Vorfreude
Zum Ende von „Ein Fall für zwei“ äußerte sich Hauptdarsteller Wanja Mues bedauernd: „Ein großes Kapitel deutscher Fernsehgeschichte findet sein Ende. Das tut mir leid für die vielen Millionen treuen Fans, die uns am Freitagabend regelmäßig begleitet haben. Jetzt ist Zeit für neue Abenteuer, und ich freue mich schon auf alles, was da kommt.“
Antoine Monot sagte: „Unser ganz persönlicher ‚Fall für Mues und Monot‘ ist noch lange nicht vorbei: Wir stehen gemeinsam mit dem Live-Hörspiel Pater Brown auf der Bühne und drehen 2027 den 90-Minüter ‚Ein Fall für zwei‘, der dann als Abschluss im ZDF ausgestrahlt wird. Darauf freuen wir uns.“
Die Geschichte der Serie: Von Matula bis heute
Die erste „Ein Fall für zwei“-Folge wurde am 11. September 1981 ausgestrahlt. In „Die große Schwester“ war der spätere Privatdetektiv Josef Matula (Claus Theo Gärtner) noch als Frankfurter Polizeibeamter zu sehen, der bei einer Aussage vor Gericht auf seinen späteren Partner, Rechtsanwalt Dieter Renz (Günter Strack), traf.
Matula prägte die Freitagabend-Krimiserie wie kein Zweiter – das zerfurchte Gesicht, die tiefe Stimme, Lederjacke und Zigarettennebel zählten zu seinen Markenzeichen. Gärtner alias Matula war mehr als drei Jahrzehnte dabei, während die Anwälte, die ihm die Ermittleraufträge zuschanzten, immer wieder wechselten. Auf Strack folgten die Schauspieler Rainer Hunold, Mathias Herrmann und Paul Frielinghaus. Mit Gärtners Ausscheiden nach 300 Folgen im Jahr 2013 ging eine ganze Ära zu Ende.
Der Relaunch 2014 und die popkulturelle Bedeutung
2014 wurde das Format wiederbelebt. Das ZDF sprach trotz desselben Titels von einer „vollkommen neuen Serie“. Der Relaunch bediente sich zwar der Grundkonstellation eines Privatdetektivs und eines Anwalts sowie des gleichen Spielorts Frankfurt am Main, aber sowohl die Geschichten als auch die Figuren waren neu und ohne Bezug auf die Vorgänger.
Auch in der Popkultur hat die Serie Spuren hinterlassen: Einer der Rapper des Trios Fettes Brot gab sich den Künstlernamen Dokter Renz nach Günter Stracks Anwaltfigur. Und die Hamburger Band Superpunk setzte dem Privatdetektiv im Lied „Matula, hau mich raus“ ein Denkmal.



