Pedro Almodóvar, der international bekannteste Regisseur Spaniens, stellt in seinem neuen Film „Bitteres Fest“ eine grundlegende Frage: Darf ein Künstler das Leben anderer für seine Kunst vereinnahmen? Der 76-Jährige beantwortet sie selbst mit einer provokativen Metapher: Künstler seien Vampire. „Ja, das sind sie“, sagte Almodóvar der „Süddeutschen Zeitung“. Jeder Künstler stelle eine Gefahr für sein Umfeld dar, „weil er alles um sich herum seiner Inspiration unterwirft“. Allerdings müsse man versuchen, vorsichtig zu sein, „um anderen keinen Schaden zuzufügen“.
Künstler als Vampire: Almodóvars provokante These
„Bitteres Fest“ greift diesen Konflikt auf mehreren Ebenen auf. Der Film, der nun in die deutschen Kinos kommt, spielt mit der sensiblen Frage nach der moralischen Grenze künstlerischer Inspiration. Almodóvar, bekannt für Werke wie „Alles über meine Mutter“ und „Sprich mit ihr“, inszeniert ein Melodram, das zugleich eine Selbstreflexion darstellt. In einem Interview bei den Filmfestspielen in Cannes, wo der Film im Wettbewerb lief, erklärte er, dass er sich in der Hauptfigur wiedererkenne, aber nicht von einer einfachen Kopie seines Lebens spreche.
Die Handlung von 'Bitteres Fest'
Der Film verschränkt zwei Erzählebenen: Die Schaffenskrise des Filmemachers Raúl (Leonardo Sbaraglia) und das Leben der Werberegisseurin Elsa (Bárbara Lennie). Im Laufe der Handlung stellt sich heraus, dass Elsa eine Figur aus Raúls Drehbuch ist. Raúl bedient sich für sein Skript an Geschichten aus seinem Umfeld, saugt sie aus – ganz im Sinne der Vampir-Metapher. So lässt er sich von tragischen Ereignissen aus dem Leben seiner Assistentin Mónica (Aitana Sánchez-Gijón) inspirieren, was diese natürlich missbilligt. Gleichzeitig zieht seine Drehbuch-Figur Elsa ebenfalls Inspiration aus dem Leben einer Freundin für ein Drehbuch. Ein verschachtelter Meta-Film entsteht.
Meta-Ebenen und Almodóvars Stil
Trotz der originellen Idee gerät „Bitteres Fest“ durch die vielen Meta-Ebenen leider etwas verkopft und verschachtelt. Was einen Almodóvar-Film jedoch immer sehenswert macht, ist sein unverwechselbarer Stil: Der Regisseur inszeniert die Geschichte in seinen gewohnt leuchtenden und ästhetischen Farbkompositionen. Es gibt auch viele unterhaltsame Momente, etwa wenn Elsa einer Ärztin erklärt, was man unter einem „Kultregisseur“ versteht. In solchen Szenen denkt man unwillkürlich daran, wie viel von Almodóvar selbst, der seine Filme gerne autobiografisch gestaltet, in den Figuren steckt.
Almodóvar über Autobiografisches in seinen Figuren
Der Regisseur betonte in Cannes, dass die Figuren komplex und mit vielen anderen Dingen verflochten seien. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte er: „Alles, was der Regisseur Raúl in 'Bitteres Fest' sagt, würde ich auch so unterschreiben.“ Eine kreative Krise wie die von Raúl habe er „in der Form“ aber nie erlebt – „zum Glück“. Almodóvar macht deutlich, dass die Vampir-Metapher nicht nur für Raúl gilt, sondern für jeden Künstler. Die Frage nach der moralischen Grenze bleibt offen, doch der Film regt zum Nachdenken an – über Kunst, Ausbeutung und die Verantwortung des Schöpfers gegenüber seinem Umfeld.



