Neue Erkenntnisse zur Krebsentstehung bei Rauchern
Nicht jeder Raucher trägt das gleiche Krebsrisiko. Neue Forschungen an Mäusen deuten darauf hin, dass das Erbgut mitentscheidet, ob sich ein Tumor schon nach einem einzigen genetischen Fehler bilden kann oder ob mehrere Veränderungen nötig sind. Rund 85 Prozent aller Todesfälle durch Lungenkrebs gehen auf das Rauchen zurück. Dennoch erkranken nur zehn bis 20 Prozent der lebenslangen Raucher. Warum das so ist, untersuchte ein Team um die Pathologin Sarah J. Aitken vom Yale Cancer Center in einer Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature“ erschien. Obwohl die Forscher dies an männlichen Mäusen und Lebertumoren zeigten, ist der Mechanismus laut Team universell.
Das Team löste bei den Tieren Hunderte Male gezielt Leberkrebs aus. Dafür nutzten sie vier genetisch unterschiedliche Mausgruppen, die sich ungefähr so stark voneinander unterscheiden wie Menschen aus verschiedenen Regionen der Welt. Alle Tiere lebten unter identischen Bedingungen. Unterschiede bei der Krebsentwicklung mussten daher auf genetische Faktoren zurückgehen.
Eine Mutation oder mehrere? Entscheidender Unterschied
Die Wissenschaftler analysierten 581 Tumoren und entschlüsselten deren komplettes Erbgut. Dabei zeigte sich: Bei C3H-Mäusen reichte offenbar eine einzige Treibermutation aus, um Krebs auszulösen. Die widerstandsfähigeren CAROLI-Mäuse benötigten dagegen zwei oder mehr Mutationen – eine zusätzliche Hürde, die den Tumor deutlich langsamer wachsen ließ.
Bei den anfälligen Mäusen entwickelte sich Krebs im Durchschnitt nach 25 Wochen. Mussten erst mehrere genetische Fehler zusammenkommen, dauerte es im Mittel 78 Wochen. In einigen Fällen entstand gar kein Krebs. Auffällig war außerdem, dass viele Tumorzellen der resistenten Mäuse ihr gesamtes Erbgut verdoppelt hatten. So konnten sie zusätzliche genetische Schäden offenbar besser verkraften. Bei einer weiteren Mausgruppe, den BL6-Mäusen, beseitigte das Immunsystem mutierte Zellen häufig schon frühzeitig.
Übertragbarkeit auf den Menschen
Die Forscher betonen, dass sich Tierstudien nicht direkt auf den Menschen übertragen lassen. Sie halten es jedoch für wahrscheinlich, dass eine ähnliche biologische Hürde auch beim Menschen existiert. Hinweise darauf lieferte bereits eine Studie von 2022: Bei manchen Rauchern stagnierten die Mutationen im Lungengewebe ab etwa 23 Packungsjahren. Dies deutet darauf hin, dass auch bei Menschen genetische oder immunologische Faktoren die Krebsentwicklung bremsen können.
Die Forschungsergebnisse könnten dazu beitragen, Risikogruppen besser zu identifizieren und personalisierte Präventionsstrategien zu entwickeln. Beispielsweise könnten genetische Tests zeigen, welche Raucher besonders gefährdet sind und daher intensivere Vorsorgeuntersuchungen benötigen. Gleichzeitig unterstreicht die Studie, warum es sich lohnt, mit dem Rauchen aufzuhören: Je länger man raucht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich genügend Mutationen ansammeln, um die genetische Hürde zu überwinden.



