Der österreichische Kabarettist und Schauspieler Josef Hader spricht im Interview mit dem SPIEGEL über die Herausforderung, betrunkene Figuren überzeugend darzustellen. Seine aktuelle Rolle in Tom Schreibers Tragikomödie "Schöne Seelen" – ein dauerbetrunkener Discobetreiber, der Karaoke singt – erntete beim Münchner Filmfest großen Beifall. Doch Hader betont: Alkohol kommt ihm dabei nicht auf die Bühne oder vor die Kamera.
Alkohol als Feind der Kunst
„Man sollte niemals trinken, wenn man einen Betrunkenen spielt“, sagt Hader entschieden. Das gelte gleichermaßen für Film und Theater. „Auch von nur einem Glas Alkohol wird alles schlechter. Die Augen müde, der Körper schlaff, die Konzentration ist weg.“ Selbst berühmte Trinker wie Dean Martin oder Richard Burton hätten das ihrer Meinung nach nicht getan – bei Burton sei er sich aber nicht ganz sicher. Hader, Jahrgang 1962, der 2017 mit „Wilde Maus“ sein Regiedebüt gab, legt Wert auf handwerkliche Präzision statt Rauscherfahrung.
Drogenerfahrung auf der Bühne
Auf die Frage nach anderen Drogen räumt Hader eine einzige Erfahrung ein: „Außer sehr starken Hustentropfen hab ich noch nichts probiert. Da war Codein drinnen, ein richtiges Opiat.“ Das sei seine einzige Drogenerfahrung auf der Bühne gewesen. In den wilden Neunzigern habe es in Österreich einen Kollegen gegeben, von dem man wusste, dass er kokste. „War aber keine gute Vorstellung. Der hat gar nicht mehr gemerkt, ob das Publikum reagiert.“ Hader zog seine Lehre daraus: „Da hab ich es lieber bleiben lassen. Aus künstlerischen Gründen.“
Die Kunst der Nüchternheit
Hader, der normalerweise in Filmen lieber wenige Sätze spricht und traurig dreinschaut, musste für seine Rolle in "Schöne Seelen" intensiv proben – nicht nur das Karaoke-Singen, sondern auch das pausenlose Gerede der Figur. Für ihn ist das Spielen eines Betrunkenen ohne Alkohol eine Frage der Professionalität: „Ich sage ja lieber nur sehr wenige Sätze in einem Film und schau dabei traurig. Da muss man auch weniger Text lernen.“ Seine Herangehensweise zeigt, dass überzeugende Darstellung nichts mit realem Rausch zu tun hat, sondern mit handwerklichem Können.



