Die Kinowoche steht im Zeichen von Kindern und Eltern – doch nichts ist, wie es scheint. In Großbritannien, als Frauen noch nicht studieren durften, in Tunesien, wo die Menschen nicht lieben dürfen, wen sie wollen, und bei einer sensationslüsternen Castingshow, die eine ganz normale Familie durchleuchtet: Große und kleine Dramen, stark gespielt. Die Entscheidung fällt schwer.
„Etwas ganz Besonderes“: Castingshow als Familienkonflikt
Eine 16-jährige Thüringerin meldet sich für eine TV-Castingshow an. Als ein Fernsehteam vor ihrer Tür steht und ihre „Story“ will, ist sie ratlos. Die Familie hilft mit, will Spannungen übertünchen, die erst recht hervortreten. Die TV-Show spielt nur die zweite Geige, der Film nutzt dies, um innerfamiliäre Konflikte freizulegen und deutsche Realitäten zu erzählen. Ein großer Wurf.
„Virginia Woolf‘s Night & Day“: Selbstermächtigung im frühen 20. Jahrhundert
Virginia Woolfs früher Roman, als zugänglichstes und humorvollstes Werk adaptiert, erzählt eine moderne Selbstermächtigungsgeschichte. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg will eine junge Britin Astronomie studieren, was damals nicht möglich war. Sie kämpft dafür und erhält Schützenhilfe von Suffragetten. Elyas M’Barek macht eine gute Figur in der britischen Komödie.
„Vaiana“: Realverfilmung ohne Neuerungen
Disney verfilmt seine Trickfilmklassiker mit echten Schauspielern. „Vaiana“ ist erst zehn Jahre alt und wird ohne nennenswerte Neuerungen adaptiert. Sympathisch, aber warum noch mal gucken? Vielleicht wegen Dwayne Johnson, der leibhaftig auftritt. Ob das ausreicht?
„Mit leiser Stimme“: Heimliche Liebe und Hassverbrechen
Eine junge Tunesierin studiert in Paris, um ihre Liebe zu Frauen auszuleben. Zur Beerdigung ihres Onkels kehrt sie zurück und erfährt, dass auch er homosexuell war und Opfer eines Hassverbrechens wurde. Die Familie schweigt. Ein stilles Familiendrama um gesellschaftliche Zwänge, fein inszeniert und stark gespielt.
„Auf zwei Rädern“: Trauerverarbeitung auf dem Fahrrad
Zwei Männer radeln vom Atlantik zum Bosporus. Hintergrund: Die Strecke fuhr einst der Sohn des Regisseurs, bevor er Selbstmord verübte. Nun fährt der Vater auf Spurensuche mit seinem besten Freund. Ein Spielfilm, jeder Kilometer ein Stück Trauerverarbeitung.
„Wise Women“: Hebammen weltweit
Geburt im Kreißsaal oder zu Hause? In vielen Regionen keine Frage, da kein Krankenhaus erreichbar. Der Dokumentarfilm begleitet fünf Hebammen weltweit und zeigt, wie relevant Geburtshilfe ist.
Weitere Filme im Kino
- „Piano Tuner“: Ein Klavierstimmer als Tresorknacker mit Leo Woodall.
- „23.000 Leben“: Starbesetztes Drama um Seenotretter im Mittelmeer.
- „Minions & Monster“: Animationsspaß erobert die Traumfabrik.
- „Vom Traum, unsinkbar zu sein“: Doku über DDR-Kombinats-Schiffe.
- „Die Camino-Therapie“: Kino-Selbstfindung auf dem Jakobsweg.
- „Eine stürmische Affäre“: Seitensprung mit bekannten Versatzstücken.



