Die Frage, warum Kara Zor-El nicht „Superwoman“ heißt, stellt ein anderes Mädchen im Film – und sie trifft einen wunden Punkt. Die Antwort gibt der Film selbst: Weil das Super-Girlie noch nicht reif genug ist. Kara ist ein Teenager in der Pubertät, der schwierigsten Phase eines Kindes, erst recht ohne Eltern, die Werte vermitteln könnten.
Eine Anti-Heldin ohne Verantwortungsgefühl
Kara Zor-El, gespielt von Milly Alcock, feiert ihren 23. Geburtstag – doch sie pfeift auf ihren Cousin Superman. Sie lacht, wenn ihr Superhund Krypto auf eine Zeitung mit Supermans Heldentaten pinkelt. Ohne Freundinnen zieht sie allein durch die Galaxis und besucht üble Spelunken, um sich zu betrinken.
Doch dann kreuzt Ruthye (Eve Ridley) ihren Weg, deren Eltern von Briganten ermordet wurden. Kara will nicht in den Konflikt hineingezogen werden, doch die Briganten stehlen ihr Raumschiff und vergiften ihren Hund. Das Gegengift besitzt nur der Ober-Brigant Krem (Matthias Schoenarts). Ab da wird es persönlich: Kara jagt ihn, während sie Ruthye Ratschläge gibt, die sie selbst ignoriert.
DC setzt auf jugendliche Zielgruppe
DC-Comics waren bei Heften führend, doch im Kino hinkten sie hinter Marvel zurück. Mit dem neuen „DC Universe“ und „Supergirl“ als zweitem Film nach „Superman“ (2025) zielen sie nun auf ein jüngeres, weibliches Publikum – ähnlich wie Marvels „Spider-Man“. Regisseur Craig Gillespie („Ich, Tonya“) inszeniert eine Geschichte, in der zwei junge Frauen gegen eine Übermacht toxischer Männer kämpfen. Das Drehbuch stammt von einer Frau, ursprünglich war auch eine Regisseurin vorgesehen.
Milly Alcock, bekannt aus „House of the Dragon“, spielt Kara erneut nach ihrem Gastauftritt im Vorgängerfilm. Auch Jason Momoa tritt in einem bizarren Gastspiel als Lobo auf – ein Mix aus Gene Simmons und Meat Loaf. Superman selbst gratuliert nur per Videocall zum Geburtstag.
Action überdeckt dünne Handlung
Der Film vermeidet die klassische Vorgeschichte und enthüllt Karas Kräfte nach und nach in Rückblenden. Er wirkt weniger steril als „Superman“, und die Titelfigur ist interessanter – allerdings ist Alcocks Anti-Heroine oft nur schlecht gelaunt und widerwillig. Viel Action muss die dünne Dramaturgie überdecken. Am Ende wird das Heldinnenkostüm doch noch übergestreift, und das Null-Bock-Girlie geläutert – wie ein langes Vorspiel zum nächsten Film.
„Supergirl“ (Fantasy, USA 2026, 107 Minuten) läuft ab sofort in den deutschen Kinos.



