Olivia Wilde inszeniert mit „The Invite“ eine Beziehungskomödie, die in einem intimen Abend zwischen zwei Paaren unangenehme Wahrheiten ans Licht bringt. Der Film, der auf dem spanischen Original „Sentimental“ (2020) basiert, startet nun in den deutschen Kinos und verspricht eine Mischung aus Witz, Fremdscham und menschlicher Tiefe.
Ein Abend mit unangenehmen Wahrheiten
Angela (Olivia Wilde) und Joe (Seth Rogen) stecken in einer Ehekrise. Sie leidet unter dem festgefahrenen Alltag, er hadert mit einer gescheiterten Musikkarriere. Im Schlafzimmer ist seit Monaten Funkstille. Als die Nachbarn Pina (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) zu einem Abendessen eingeladen werden, eskaliert die Situation. Die Gäste sind selbstbewusst und unkonventionell, und schon bald werden intime Beziehungsdetails ausgebreitet – mit überraschenden Wendungen.
Der Film lebt von den temporeichen Dialogen und den schauspielerischen Leistungen. Über 100 Minuten spielt die Handlung ausschließlich in der Wohnung des Ehepaars, was durch geschicktes Setdesign und Kameraführung visuell abwechslungsreich bleibt. „Unser Kameramann Adam Nubarbera sagte: 'Wir verwandeln Gesichter in Landschaften'“, erzählt Wilde im dpa-Interview.
Zwischen Fremdscham und Faszination
Die Zuschauer werden zu neugierigen Beobachtern: Man fühlt sich unwohl, schämt sich fremd, kann aber nicht wegsehen. Edward Norton erklärt im dpa-Gespräch: „Ich glaube, viele Menschen erkennen sich besonders in Joe und Angela wieder. Sie fühlen mit ihnen, sind gleichzeitig froh, dass ihnen selbst das nicht passiert – und wünschen sich insgeheim vielleicht doch, dass einzelne Aspekte davon Teil ihres eigenen Lebens wären.“
Dieses Wechselspiel aus Identifikation und Distanz macht den besonderen Humor des Films aus. Die Gespräche seien die „Actionszenen“, so Wilde, und die Mimik der Darsteller sorge für die Komik. „Ein Paar, das ganz offen über sehr intime sexuelle Themen spricht, ist an sich noch nicht witzig. Aber wenn man sieht, wie ihr dabei vor Schreck die Augen riesengroß werden, dann wird es komisch.“
Ein Kammerspiel nach einem Theaterstück
„The Invite“ ist bereits die vierte Adaption von Cesc Gays Theaterstück, das unter anderem in der Schweiz, Tschechien und Südkorea verfilmt wurde. Der Film beschränkt sich bewusst auf wenige Schauplätze und Figuren, was die Intensität der Begegnung erhöht. Die pointierten Wortgefechte und schlagfertigen Dialoge treiben die Handlung voran – selten hat Fremdschämen so viel Spaß gemacht.
Norton empfiehlt, den Film in der Gruppe zu sehen: „Zu viert oder zu sechst, vielleicht mit ein paar befreundeten Paaren. Und danach schaut man einfach, wohin einen das Gespräch über den Film führt.“
Wilde will mutige Gespräche anregen
Olivia Wilde hofft, dass ihr Film im echten Leben mutige Konversationen anregt. „Dass die Menschen anfangen, all ihre unangenehmsten Erlebnisse hervorzuholen – all die Gespräche, die sie sich bisher nicht zu führen getraut haben“, sagt sie der dpa. „The Invite“ liefere dafür reichlich Stoff – und sei vor allem eines: eine unterhaltsame und sehr menschliche Komödie.



