In der CDU brodelt es gewaltig. Nach der Kabinettsumbildung durch Bundeskanzler Friedrich Merz wächst der Unmut in den eigenen Reihen. Führende Christdemokraten rechnen öffentlich mit dem Kanzler und Parteichef ab. Die Wortwahl ist ungewöhnlich scharf: „schäbig“, „unwürdig“ und „unterirdisch“ – so beschreiben Parteifreunde laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung (FAZ) den Umgang von Merz mit dem entlassenen Verkehrsminister Patrick Schnieder. Besonders brisant: Die Kritik kommt nicht nur von einzelnen Abgeordneten, sondern auch von einflussreichen Parteigliegen.
Radtke schlägt Alarm: Lage ernst wie nie
Dennis Radtke, Vorsitzender des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, berichtet von Parteiaustritten im Ruhrgebiet. In der FAZ warnt er drastisch: „Die Lage der CDU ist ernster als zur Zeit der Spendenaffäre.“ Bereits vor dem jüngsten Regierungsumbau sei die Stimmung an der Basis schlecht gewesen. Radtke selbst war letzte Woche mit CDU-Kandidaten für die NRW-Landtagswahl 2027 unterwegs. Sein Eindruck: In vielen Wahlkreisen liefern sich CDU, SPD und AfD ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Partei lebe vielerorts nur noch von einer immer älter werdenden Stammwählerschaft. Jetzt müsse die CDU aus ihrer Schockstarre herauskommen und die Mitglieder wieder mobilisieren.
Frust an der Basis und über den Führungsstil
Der Frust sitzt tiefer als nur über einzelne Personalentscheidungen. Viele Christdemokraten werfen Merz einen Führungsstil vor, der die eigene Partei regelmäßig vor den Kopf stößt. Wahlkämpfer klagten über eine miserable Stimmung an der Basis. Die Bundesregierung sei für zahlreiche Kandidaten inzwischen eher Ballast als Hilfe. Besonders im Osten Deutschlands ist die Enttäuschung groß. Sachsens Innenminister Armin Schuster beklagte, dass Ostdeutschland nach der großen Personalrochade erneut zu kurz komme. Seine Hoffnung auf mehr ostdeutsche Gesichter in der Bundesregierung habe Merz enttäuscht. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer fand deutliche Worte: Viele Menschen hätten nur noch den Kopf geschüttelt – „ich auch“, räumte Kretschmer ein.
Lob für Hoppermann, aber Unmut bleibt
Die neue Generalsekretärin Franziska Hoppermann steht im Fokus. Radtke lobt ausdrücklich, dass Merz sie auf den Posten geholt hat. Zunächst müsse sie jedoch vor allem zuhören. Dennoch überwiegt der Unmut. Mit Tino Sorge verlor ein CDU-Politiker aus Sachsen-Anhalt seinen Posten als Parlamentarischer Staatssekretär. Öffentlich kritisierte Sorge, dass Merz ihn nicht einmal persönlich über seine Entlassung informiert habe. Intern heißt es hingegen, Sorge sei durchaus angerufen worden – allerdings von Generalsekretär Carsten Linnemann.
Offene Revolte im Vorstand? Zukunft von Merz unsicher
Hinter verschlossenen Türen wird laut FAZ inzwischen sogar über die Zeit nach Friedrich Merz gesprochen. Einige Abgeordnete halten einen Wechsel an der Parteispitze nach der NRW-Landtagswahl im Frühjahr 2027 für möglich. Andere schließen nicht einmal einen früheren Sturz des Kanzlers aus. Noch gilt das als unwahrscheinlich, doch der Druck wächst. Die CDU steht vor der Herausforderung, die eigene Basis wieder zu gewinnen und das Vertrauen in die Führung zu stärken.



