Michael Stich: Vom Tennisplatz zur Leinwand in Berliner Galerie
Michael Stich: Tennisstar als Maler in Berlin

Der ehemalige Tennisprofi Michael Stich stellt erstmals seine Bilder in der Hauptstadt aus. Die Galerie Mond zeigt abstrakte Malerei auf Leinwand und Aluminium. Den meisten ist Michael Stich als einer der besten deutschen Tennisspieler bekannt. Unvergessen das Wimbledon-Finale 1991, das er als bisher letzter Deutscher für sich entscheiden konnte.

Vom Tennisspieler zum Künstler

Stich interessierte sich allerdings auch bereits während seiner Sportkarriere für Malerei – zunächst als Ausstellungsbesucher und Sammler zeitgenössischer Kunst. Dies und der Kontakt mit Künstlerinnen und Künstlern inspirierten ihn dazu, selbst mit dem Malen zu beginnen und diese Leidenschaft nach Ende seiner aktiven Karriere zu einem prägenden Teil dieses neuen Lebensabschnitts zu machen. Zunächst arbeitete er nur für sich selbst. 2022 entschied sich Michael Stich nach rund zwanzig Jahren des Experimentierens, seine Werke erstmals auszustellen.

Abstrakte Werke als Spiegelbild der Persönlichkeit

Die abstrakten Arbeiten versteht er als Spiegelbild seiner Persönlichkeit. Dabei ist der Prozess des Malens für ihn das Spannendste: von der Idee unter Einsatz von Farbe und Technik hin zu den Kompositionen. Besonderen Wert legt der Künstler dabei auf die Materialität. Neben Leinwand oder Jute sind inzwischen zahlreiche Werke auf hauchdünnem Japan- und Chinapapier entstanden.

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„Push Boundaries“ in der Galerie Mond

In der Werkschau „Push Boundaries“ der Berliner Galerie Mond werden erstmals Arbeiten gezeigt, die auf und in Wannen aus Aluminiumblech gemalt sind, womit sich der Künstler von der hauchzarten Struktur des Papiers hin zu starrer Materialität bewegt. Dennoch erleben die Betrachtenden die Arbeiten als etwas Natürliches, Lebendiges, denn sie scheinen den Blick in einen Raum zu gewähren, der sich in der eigenen Fantasie noch vergrößert. Farben, Linien und Strukturen lösen sich von eindeutiger Gegenständlichkeit und erzeugen stattdessen Atmosphären.

Verbindung von Sport und Kunst

Stich ist ein Beispiel für die Vielseitigkeit einer individuellen Biografie. Sie verbindet zwei Welten, die gewöhnlich voneinander getrennt gedacht werden: die der absoluten körperlichen Präzision und jener der offenen künstlerischen Imagination. Dabei gibt es Gemeinsamkeiten. Der Tennisspieler und der Künstler arbeiten beide an der Grenze zwischen Kontrolle und Freiheit. Zu viel Kontrolle erzeugt Starrheit, zu viel Freiheit führt ins Chaos. Eleganz entsteht dort, wo Disziplin unsichtbar wird. Und so könnte man resümieren, dass jede sehenswerte Kunst eine verborgene Choreografie enthält und jeder sehenswerte Sport eine verborgene Ästhetik.

Innerer Rhythmus und wohltätiger Zweck

Ein großartiger Spieler erzeugt den Eindruck von Leichtigkeit, obwohl hinter jedem Schlag jahrelange Disziplin steht. Auch Stichs Kunst lebt von diesem Spannungsverhältnis: Kontrolle und Offenheit, Ordnung und spontane Geste existieren nebeneinander. Seine Bilder wirken oft nicht konstruiert, sondern entwickelt – als hätten sie sich aus einem inneren Rhythmus heraus entfaltet. Mit seiner Malerei möchte Stich nicht nur etwas über sich selbst erzählen, sondern die Betrachtenden berühren und dazu ermutigen, eigene Gedanken und Empfindungen freizusetzen und vielleicht auch selbst gesetzte Grenzen zu reflektieren, um sie zu verschieben: Push Boundaries.

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung wird es auch eine Versteigerung seiner farbbespritzten Sneaker geben. Der Erlös kommt der Michael Stich Stiftung für an HIV infizierte oder an Aids erkrankte Kinder und Jugendliche zugute. Der Startpreis liegt bei 950 Euro.

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