Bachmann-Preis 2026: Literatur live und kontrovers im Fernsehen
Bachmann-Preis 2026: Literatur live und kontrovers

Am 25. Juni 2026 startet der 49. Bachmann-Preis in Klagenfurt. 14 Autorinnen und Autoren lesen drei Tage lang live auf 3sat aus ihren Texten. Eine Jury bewertet die Beiträge öffentlich. Das Event fällt in das Jubiläumsjahr von Ingeborg Bachmann, die 2026 100 Jahre alt geworden wäre.

Neuer SPIEGEL-Newsletter startet mit dem Bachmann-Preis

Der SPIEGEL führt einen neuen Newsletter ein: „Literatur & Bestseller“. Die erste Ausgabe widmet sich dem Bachmann-Preis. Redakteur Xaver von Cranach schreibt: „Diese Mischung aus öffentlich-rechtlicher Steifheit und vogelwilder Gegenwartsdiagnose eignet sich perfekt für den ersten Aufschlag.“ Der Newsletter erscheint alle zwei Wochen und bietet persönliche Einblicke, Analysen und exklusive Mini-Interviews.

Vorstellungsvideos: Zwischen Pathos und Ironie

Vor dem Wettbewerb veröffentlichen die Teilnehmer traditionelle Vorstellungsvideos. Cranach beschreibt sie als „absurde Kunstform“. Die Bandbreite reicht von klassischem Neuschriftstellerpathos („In den letzten anderthalb Jahren habe ich sehr angefangen, mich für Zeit zu interessieren“) über ironische Brechungen („Hat noch einen Milchzahn“) bis zum bürokratisierten Literaturbeamtentum („Da geht es natürlich auch sehr stark um die Auseinandersetzung mit Normen und mit Regelwerken“).

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Drei Talking Points für Small Talk

Für alle, die nicht 20 Stunden fernsehen können, liefert Cranach drei Gesprächsthemen: Erstens, die immer witzigeren T-Shirts von Juror Klaus Kastberger. Zweitens, die Klage über fehlendes Soda-Zitron in Deutschland – ein österreichisches Getränk, das für Gesprächsstoff sorgt. Drittens, der Hinweis auf den Zeit-Artikel „Die Schreibkrise des Mannes“ und die Tatsache, dass in Klagenfurt zehn Autorinnen und vier Autoren eingeladen wurden. Das Wort „Heterofatalismus“ könne man gezielt einwerfen.

Buchtipp: Jacqueline Harpmans „Ich, die ich Männer nicht kannte“

Kollegin Anna Weiß hat sich mit dem Hype um das 30 Jahre alte Buch der Belgierin Jacqueline Harpman beschäftigt. Ihr Fazit: Die Marketingversprechen halten nicht, was sie versprechen. Trotzdem sei das Buch gut. Cranach merkt an, dass Wörter wie „Hype“ oder „BookTok“ bei ihm Abwehrreflexe auslösen.

Literarischer Steckbrief mit Dana von Suffrin

Die Autorin Dana von Suffrin, deren Roman „Toxibaby“ gerade bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist, verrät ihr Buch des Lebens: Benny Barbaschs „Mein erster Sony“. Auf ihrem Nachttisch liegt aktuell Yade Yasemin Önders „Anti Müller“. Sie kritisiert schnell gestrickte Mode-Sachbücher und sucht Gesprächspartner für Krasznahorkais „Zsömle ist weg“. Ihre letzte WhatsApp: ein Selfie von der ICE-Toilette an Kollegin Anna Neata.

Ingeborg Bachmann: 100. Geburtstag

Zum 100. Geburtstag erscheinen Biografien und ein Kinofilm. Cranach zitiert aus Bachmanns Erzählung „Undine geht“: „Ich habe einen Mann gekannt, der hieß Hans, und er war anders als alle anderen. Noch einen kannte ich, der war auch anders als alle anderen. Dann einen, der war ganz anders als alle anderen und er hieß Hans, ich liebte ihn.“ Er nennt den Satz „furchtbar komisch und furchtbar traurig“ und sieht darin „Heterofatalismus avant la lettre“.

SPIEGEL-Bestsellerliste: Belletristik und Sachbuch

Die aktuelle Bestsellerliste führt in der Belletristik Hardcovern Ewald Arenz mit „Fünf, sechs, sieben, acht“ an, gefolgt von Caro Claire Burkes „Yesteryear“ auf Platz 2. Cranach kommentiert: „Der erste große Tradwife-Roman“ – und fragt, ob in Verlagskonferenzen mittlerweile zu sehr wie im Feuilleton gedacht werde. Im Sachbuch Hardcover liegt Annette Ditterts „Dear Britain“ auf Platz 1.

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