Ein Comedy-Star übernimmt in einer Oper eine der Hauptrollen: Bülent Ceylan (50) spielt in der Inszenierung von Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ den Bassa Selim. Die Aufführung ist am 8. Juli ab 19 Uhr live bei BILD zu sehen. Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Besetzung hatte Regisseurin Andrea Moses (54), die nun im BILD-Interview die Hintergründe erläutert.
Mozart trifft Comedy: Ein Konzept mit Tiefgang
Wenn Mozart auf Comedy trifft, ist das kein Gag, sondern Konzept. Moses hat Bülent Ceylan bewusst nicht nur als Schauspieler eingesetzt. Denn er macht in der Inszenierung weit mehr, als die Sprechrolle zu übernehmen: Er kommentiert das Geschehen, moderiert das Stück und greift sogar mit Texten anderer Figuren in die Handlung ein. So entstehe Raum, schwierige Themen nicht nur kritisch, sondern auch mit Humor zu beleuchten, sagt Moses.
„Normalerweise wird die Sprechrolle des Bassa Selim mit einem Schauspieler besetzt“, erklärt die Regisseurin. „Bülent Ceylan aber ist ein mega bekannter Comedian, der in unserer neuen Version nicht nur den Bassa spielt, sondern quasi auch von der Seitenlinie das Geschehen kommentiert, das Stück moderiert, Sprechtexte von anderen Figuren übernimmt und somit in vielfältiger Weise in die Handlung eingreift und sie spiegelt. Das eröffnet uns die Möglichkeit, auch auf problematische Themen, die im Stück eine große Rolle spielen, mit Kritik und vor allem mit Humor zu reagieren.“
Warmherziger Typ und Liebe zur Selbstironie
Dass dabei viel gelacht wird, überrascht nicht. Moses sagt über die Zusammenarbeit mit Ceylan: „Er ist ein unglaublich warmherziger Typ.“ Beide verbindet die Liebe zu Humor und Selbstironie. Die Sänger und Sängerinnen seien ebenfalls großartig und humorvoll, so Moses. Die Zusammenarbeit mit Dirigent Thomas Guggeis sei inspirierend – ähnlich wie einst mit Daniel Barenboim bei „Die Meistersinger“.
Staatsoper Unter den Linden: Ein besonderer Ort
Andrea Moses hat bereits an vielen großen Opernhäusern gearbeitet, doch für die Staatsoper Unter den Linden findet sie besonders warme Worte. „Sie hat nicht nur diesen hellen, aufklärerischen Zuschauerraum, den ich sehr mag und der für unser Anliegen wie geschaffen ist, sondern wirklich fantastische Kollektive, den Staatsopernchor, die Staatskapelle“, sagt sie. Da sie auch in Berlin wohne, sei es für sie wie „einmal wirklich zu Hause sein dürfen – privat wie beruflich.“



