C/O Berlin: Ausstellung über die Verführungskraft von Bildern im Netz
C/O Berlin: Bilder im Netz – Verführung und Krieg

Die Ausstellung „That's Not Cute, That's War“ im Fotohaus C/O Berlin widmet sich der Frage, wie Bilder im Netz uns betören und verstören. Die Künstlerin Noura Tafeche hat für ihre Recherche unter anderem das Phänomen des niedlichen Anime-Mädchens untersucht, das eine Waffe in der Hand hält – oder unterm kurzen Rock versteckt. Von dort war es nicht weit bis zur Influencer-Soldatin, die im Clean-Girl-Look und in superenger Armeehose am realen Kriegsschauplatz posiert. Auch ein junger Mann, der auf einer Manga-Girls-Bettwäsche sein eigenes Waffenarsenal präsentiert, wird thematisiert. Die Ausstellung zeigt, wie aus niedlichen Bildern eine gefährliche Ästhetik des Krieges wird.

Vom Hunger nach mehr Bildern

Die Schau beleuchtet den Mechanismus der Bilderflut im Internet: Ständig werden neue, oft extreme Inhalte konsumiert, um den Hunger nach visuellen Reizen zu stillen. Dabei kann einem schnell übel werden – wie die Kuratorin Birgit Rieger betont. Die Ausstellung fragt, wie wir uns von Bildern verführen lassen und welche Rolle Plattformen wie Google dabei spielen. Ein begleitender Text weist darauf hin, dass Nutzer über Google bevorzugt Artikel angezeigt bekommen können – ein Hinweis auf die algorithmische Steuerung unseres Blickes.

Kriegsästhetik im Kinderzimmer

Besonders verstörend ist die Darstellung junger Männer, die in ihren Kinderzimmern Waffenarsenale präsentieren, umgeben von Manga-Motiven. Die Grenze zwischen harmloser Popkultur und realer Gewalt verschwimmt. Tafeche zeigt, wie militärische Ästhetik in Alltagsbilder eindringt – etwa durch Influencer-Soldatinnen, die Kriegsschauplätze als Bühne für ihren Lifestyle nutzen. Die Ausstellung ist ein Appell, Bilder kritisch zu hinterfragen und sich der Manipulation bewusst zu werden.

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