Der Literaturkritiker Denis Scheck hat in seiner monatlichen Kolumne die aktuellen „Spiegel“-Sachbuch-Bestseller unter die Lupe genommen. In bewährter Manier verreißt oder lobt er die Top-Ten-Romane der Liste – diesmal mit einem Mix aus Lebenshilfe, die keiner braucht, unfreiwilliger Satire und sehr viel Klugem. Die Kolumne erscheint parallel zu seiner ARD-Sendung „Druckfrisch“, die noch bis zum 23. August in der Sommerpause ist.
Anbiederei an junge Leser
Scheck kritisiert besonders einen Trend zur Anbiederei an junge Leser. Manche Autoren versuchten, mit vereinfachter Sprache und oberflächlichen Themen Aufmerksamkeit zu erregen, was oft in unfreiwilliger Satire ende. „Es wirkt, als ob Verlage dringend junge Käufer gewinnen wollen, aber dabei die intellektuelle Tiefe opfern“, so Scheck. Er nennt als Beispiel ein Buch, das versuche, komplexe gesellschaftliche Fragen auf TikTok-Niveau zu erklären, aber dabei scheitere.
Kluges und Ermutigung in finsteren Zeiten
Neben der Kritik gibt es auch Lob: Scheck hebt mehrere Werke hervor, die in finsteren Zeiten Ermutigung bieten. Ein Buch über Resilienz und innere Stärke habe ihn besonders beeindruckt. „Es ist klug, gut recherchiert und gibt dem Leser echte Werkzeuge an die Hand, ohne zu bevormunden“, sagt Scheck. Ein weiteres Werk über die Geschichte der Demokratie zeige, wie wertvoll unsere Errungenschaften seien – gerade in Zeiten wachsender politischer Spannungen.
Unfreiwillige Satire und Lebenshilfe
Ein besonderes Phänomen sei die unfreiwillige Satire: Manche Sachbücher seien so absurd, dass sie unfreiwillig komisch wirkten. Scheck zitiert einen Satz aus einem Ratgeber: „Wenn du glücklich sein willst, hör auf, unglücklich zu sein.“ Solche Banalitäten sorgten für Kopfschütteln. Lebenshilfe, die keiner brauche, mache einen großen Teil der Bestsellerliste aus. „Viele dieser Bücher sind nichts anderes als aufgeblasene Blogeinträge“, so der Kritiker.
Die erfolgreichsten Sachbücher der Woche
Die „Spiegel“-Bestsellerliste wird wöchentlich ermittelt und gilt als Gradmesser für den Buchmarkt. In dieser Woche dominieren Themen wie Psychologie, Gesellschaft und Politik. Scheck betont, dass es durchaus lohnenswerte Titel gebe, die man lesen sollte – man müsse nur die Spreu vom Weizen trennen. Seine Kolumne helfe dabei, die Perlen zu finden. Die nächste Ausgabe erscheint im September, wenn „Druckfrisch“ wieder im Programm ist.



