Drei Drachen vom Grill: Premiere am BKA Theater mit Ades Zabel
Drei Drachen vom Grill: Premiere am BKA Theater

Die legendäre Imbissbude aus der SFB-Serie „Drei Damen vom Grill“ stand einst am Nollendorfplatz in Schöneberg. Nun hat das BKA-Theater am Mehringdamm in Kreuzberg ein Remake auf die Bühne gebracht: „Drei Drachen vom Grill“ feierte am Freitagabend Premiere. Die drei Damen Edith Schröder (Ades Zabel), Jutta (Bob Schneider) und Biggy (Biggy van Blond) sind diesmal in Neukölln beheimatet, doch die Handlung führt sie an den Rosenthaler Platz in Mitte.

Vom Super-8-Film zur Bühnenshow

Bereits ab 1987 parodierte Ades Zabel mit der Teufelsberg Filmproduktion den Serienklassiker auf Super-8-Filmen, die bundesweit in Programmkinos liefen. Nun, fast 40 Jahre später, entstand unter der Regie von Bernd Mottl eine komplett neue Bühnenshow. Die Show spielt mit Anspielungen auf politische Realitäten des Jahres 2026, bleibt aber dem Geist der Originalserie treu, die von 1977 bis 1992 in 140 Folgen das Lebensgefühl West-Berlins einfing.

Handlung: Erbschaft und politische Seitenhiebe

Edith erbt die Imbissbude in der Torstraße, nachdem ihr Geliebter am Hochzeitstag von einem Flixbus überfahren wurde. Die Fäden zum Original sind lose: Oma Färber musste sich aus wirtschaftlicher Not selbstständig machen, weil die Rente zu klein war. Auch hier kämpft Juttas Kneipe ums Überleben, seit alle beim Späti trinken, und die Frage nach der Zukunft des Bürgergelds wird aufgeworfen. Als Notar hat Klaus Wowereit einen Gastauftritt auf der Leinwand, den man jedoch nicht voll ausschöpft.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Köstlich ist der Umgang mit den Ängsten vegetarischer und veganer Mitte-Menschen: Fleischkonsum gelte als „rechts“, „brauner Senf kostet extra“. Die wahren Rechten treten später auf: ein Politiker im blauen Anzug namens Tino und eine Frau in martialischem schwarzem Hut namens Melanie Trampel, die das Grundstück besitzt und Großprojekte plant: Golfplatz auf dem Tempelhofer Feld, Triumphbogen am Hauptbahnhof und die Wiedereröffnung des „Café Trampler“ in fünffacher Größe. Diese politische Satire ist albern, oft witzig, hat aber auch Durchhänger.

Musik und Inszenierung

Der Eröffnungssong „Wurst“ auf Madonnas „Vogue“ katapultiert das Publikum ins Jahr 1990. Die fleischfarbenen Mieder der drei Damen erinnern an Wurstpellen. Hervorragend sind die vielen Video-Einspieler von Jörn Hartmann, die den Bühnenraum zusätzlich öffnen. Coverversionen von Hits wie „If You Could Read My Mind“ oder „Thriller“ (hier „Griller“) sorgen für musikalische Höhepunkte. Roman Shamov ist als Sidekick Harry großartig, wenn er sich verzweifelt auf die Suche nach frischen Würsten macht, während sein Sakko spannt. Eine Autofahrt durch Berlin mit Humboldtforum und Friedrichswerderscher Kirche wirkt jedoch unnötig in die Länge gezogen.

Fazit: Harmonisch, aber ohne neue Impulse

Der Abend fügt den Charakteren der seit Jahren beliebten Weihnachtsshow „Wenn Ediths Glocken läuten“ nichts wirklich Neues hinzu. Biggy trägt jahreszeitenunabhängig ihr Leopardenmuster. Der Titel „Drei Drachen vom Grill“ wird nicht ganz verständlich, da die drei Damen zu harmonisch agieren und sich wenig anfauchen. Dennoch: Während die Würste in Futschi mariniert vor sich hin schmoren, kehrt der totgeglaubte Ehemann (Bob Schneider) zurück und übernimmt die Bude – mit neuem, von der Kasse bezahltem Gesicht. So können die drei Damen mit der U8 heimkehren nach Neukölln. Zu Hause ist’s doch am schönsten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration