Ein Ehekrach in der Unterwelt: Bei den Potsdamer Musikfestspielen wird der Mythos von Orpheus neu erzählt. Der Countertenor Valer Sabadus verleiht dem mythischen Sänger seine überirdisch schöne Stimme. Doch wer trägt nun eigentlich die Schuld daran, dass der Aufstieg an die Oberfläche beinahe scheitert? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Inszenierung.
Ein Auftritt aus dem Nichts
Valer Sabadus betritt die Bühne von hinten, schreitet den Gang hinab und ist erst im letzten Augenblick zu sehen. Aus scheinbarem Nichts füllt seine Stimme den gesamten Kirchsaal bis unter die hölzerne Decke. Es ist eine Stimme, die in rötlichen Farben schimmert, körperlos, wie es für diese Stimmlage typisch ist, aber dennoch vollgesogen mit Trauer und Leidenschaft, mit Substanz. Man versteht sofort, warum der Deutsch-Rumäne Valer Sabadus zu den bekanntesten Countertenören unserer Gegenwart gehört.
Eine neue Interpretation des Mythos
Die Inszenierung der Potsdamer Musikfestspiele wirft ein neues Licht auf die alte Geschichte. Orpheus, der mit seiner Musik die Götter der Unterwelt bezaubert, um seine geliebte Eurydike zurückzuholen, scheitert bekanntlich an seinem eigenen Zweifel. Doch hier wird die Frage nach der Schuld differenzierter betrachtet. Ist es wirklich nur Orpheus‘ Ungeduld, die den Aufstieg vereitelt? Oder spielen andere Kräfte eine Rolle? Die Aufführung regt zum Nachdenken an und bietet dem Publikum eine frische Perspektive auf einen bekannten Stoff.
Die musikalische Darbietung von Valer Sabadus ist atemberaubend. Seine Stimme trägt die emotionale Tiefe der Handlung und verleiht dem Orpheus eine verletzliche, aber auch kraftvolle Präsenz. Die Inszenierung nutzt die besondere Akustik des Kirchsaals, um die überirdische Qualität der Countertenor-Stimme zu unterstreichen. Das Zusammenspiel von Licht, Raum und Musik schafft eine intime Atmosphäre, die das Publikum in den Bann zieht.
Die Potsdamer Musikfestspiele haben mit dieser Produktion erneut bewiesen, dass sie zu den bedeutendsten Kulturereignissen der Region zählen. Die Verbindung von traditionellem Mythos und moderner Interpretation macht den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich dieses musikalische Highlight nicht entgehen lassen.



