Ein Sommer in Paris: Tragikomödie über Olympia-Träume und Landei-Charme
Ein Sommer in Paris: Olympia-Tragikomödie

Ein Landei im Olympiataumel: Die Tragikomödie „Ein Sommer in Paris“ atmet das Flair der Spiele, Public-Viewing-Nächte und ein Zufallsdate. Im sommerleichten Debüt der Regisseurin Valentine Cadic erlebt eine junge Frau aus der Provinz das Großstadtgewimmel.

Pleiten, Pech und Pannen

So ein Pech, der Rucksack ist zu groß! Kaum, dass Blandine im Gewimmel vor dem Schwimmstadion, in dem gleich die Vormittagswettbewerbe beginnen, die richtige Einlassspur im Strom der Passanten gefunden hat, ist schon wieder Schluss. Blandine (Blandine Madec) darf nicht rein. Und oh Wunder, sie flippt gar nicht deswegen aus. Dabei ist sie doch extra aus der Normandie nach Paris gereist, um die olympischen Schwimmwettbewerbe zu sehen. Genauer gesagt, um ihren heimlichen Schwarm anzufeuern, die Schwimmerin Béryl Gastaldello, eine Athletin, die sogar offen über ihre gelegentlichen Depressionen spricht, was Blandine besonders beeindruckt.

Die Stadt vibriert vor Lebenslust

Der missglückte Einlass ist nur der Auftakt der Pleiten, Pech und Pannen, die Blandine in der vor Menschen förmlich überquellenden Stadt erlebt. Olympia-Schlachtenbummler aus der ganzen Welt sind angereist. An jeder Ecke ist was los, halten Touristenschwärme Handys in die Luft. Paris vibriert in der Sommerhitze nur so vor Lebenslust. Und mittendrin, oder eigentlich eher am Rand, sucht sich die freundliche, aber notorisch überfordert wirkende Blandine ihren Weg.

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Regisseurin Valentine Cadic, deren Spielfilmdebüt „Ein Sommer in Paris“ vergangenes Jahr auf der Berlinale in der Reihe Perspectives für den vielversprechenden Regienachwuchs uraufgeführt wurde, erzählt in naturalistischem Look, mit leisem Humor und schön unterspielter Emotionalität von der so alltäglichen wie magischen Bildungsreise ihrer Hauptfigur, die halb Nerd und halb reizendes Wesen ist.

Familienbande und Proteste

Abgesehen von den Olympischen Spielen will die junge Frau, die man ihres scheuen Auftretens wegen zuerst fälschlich für ein naives Landei hält, auch ihre Halbschwester Julie (India Hair) besuchen. Zehn Jahre hat sie sie nicht gesehen und Julies kleine Tochter Alma noch gar nicht kennengelernt. Wohlmeinend, wie Blandine ist, lässt sie sich von der zuerst herzlichen, aber dann immer gestressteren Julie und deren Ex Paul gleich als Kinderbetreuung einspannen. Und weil Paul Anti-Olympia-Aktivist ist, findet sich die fleischgewordene Unschuld Blandine auch noch in einer Polizeiaktion wieder.

Das ist einer von zwei Momenten, in denen Blandine, die ungerührt auf Missgeschicke reagiert und mit einer einsamen, aber auch unantastbaren Gelassenheit durch die Stadt geht, fast die Fassung verliert. Ganz anders als nachts am verwaisten Schwimmstadion, ihrem Sehnsuchtsort, den sie auch nach einigen Tagen in Paris nur per Public-Screening besucht hat. Mit dem Crêpe in der Hand lernt sie in einem sparsamen Dialog Benjamin kennen, einen Techniker, der für die Elektrik in der Schwimmhalle zuständig ist und einen Schlüssel hat. Was das tiefe Blau eines im Halbdunkel liegenden Beckens doch für einen poetischen Zauber hat.

Ein poetischer Dreiklang

Eine wenig von sich preisgebende, durchaus kauzige Hauptfigur, eine Stadt, die während der Olympischen Spiele auch nachts nur wenig Ruhe findet, und der Sommer – das verbindet sich in der Regie von Valentine Cadic zu einem stimmigen, präzise beobachteten Dreiklang. Nichts von dem, was Blandine in Paris gesucht hat, erfüllt sich einfach so, und doch ist sie am Ende dieser Sommerwoche erfüllt von den Überraschungen, die geschehen, wenn man das Leben einfach laufen lässt, freundlich bleibt, auf Menschen zugeht, ihnen vertraut und schaut, wo es einen dann hintreibt. Vielleicht ja zu einem Wunder im Morgengrauen.

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