Filmkritik: „Etwas ganz Besonderes" – Ostidentität und Familienkonflikte
Film „Etwas ganz Besonderes": Ostidentität und Familie

Im neuen Film von Eva Trobisch „Etwas ganz Besonderes“ steht die 16-jährige Lea (Frida Hornemann) im Mittelpunkt, die sich bei einer Castingshow beworben hat und von einem Redakteur gefragt wird, wer sie sei. Diese Frage löst eine Suche nach ihrer eigenen Identität aus, die eng mit der ostdeutschen Herkunft ihrer Familie verwoben ist. Der Film feierte im Wettbewerb der Berlinale Premiere und ist der dritte abendfüllende Spielfilm der 1983 in Ostberlin geborenen Regisseurin.

Handlung und Schauplatz

Die Geschichte spielt in der thüringischen Kleinstadt Greiz und zeigt das Leben von drei Generationen einer Familie. In einer Reihe von kurzen und längeren Momentaufnahmen werden der Alltag, die Konflikte und die Sehnsüchte der Protagonisten eingefangen. Während Leas Heimatort das Museum mit EU-Mitteln aufwendig saniert, kämpft die Familienpension ums wirtschaftliche Überleben. Dieser Kontrast zwischen öffentlicher Förderung und privater Existenznot ist ein zentrales Motiv.

Der Film thematisiert unterschiedliche politische Haltungen, Spannungen zwischen Jung und Alt, Beziehungsfragen und die Mechanismen von Fernseh-Castingshows. Greiz dient dabei vor allem als Schauplatz der Familiengeschichte, tritt aber als sozialer und politischer Resonanzraum eher in den Hintergrund.

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Ostdeutsche Identität und gesellschaftlicher Kontext

Trobisch versucht, das Lebensgefühl einer ostdeutschen Gegenwart einzufangen, das von rechtspopulistischen Erfolgen, demokratischem Selbstverständnis und den Nachwirkungen der Wiedervereinigung geprägt ist. Diese Aspekte bleiben jedoch skizzenhaft. Die Stärke des Films liegt vielmehr im Ensemble um die 2007 geborene Hauptdarstellerin Frida Hornemann und im einfühlsamen Blick auf familiäre Verletzungen und Verwerfungen. Die Regisseurin selbst betont: „Es geht mir um die Frage, wie wir mit unserer Geschichte umgehen und was uns prägt.“

Kritische Würdigung

„Etwas ganz Besonderes“ ist mehr ein Familiendrama als ein Zeitbild. Die Suche nach Identität wird nicht politisch überfrachtet, sondern bleibt persönlich und emotional. Die Kameraarbeit fängt die Stimmung der Kleinstadt und die Intimität der Familie ein. Der Film zeigt, wie die Vergangenheit in der Gegenwart nachwirkt, ohne dabei in Klischees zu verfallen. Für Zuschauer, die sich für ostdeutsche Befindlichkeiten und generationenübergreifende Konflikte interessieren, bietet der Film berührende Einblicke.

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