In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Adelsheim treffen sich jugendliche Straftäter und Opfer zu einem besonderen Dialog. Das Projekt „Opfer und Täter im Gespräch“ (OTG) des Seehaus e.V. läuft bereits in der dritten Runde. Die Teilnahme ist freiwillig und verkürzt nicht die Haftzeit.
In einem Stuhlkreis sprechen die Beteiligten über ihre Erlebnisse. Die Täter, die wegen schwerer Delikte wie versuchtem Mord, Bankraub oder Betrug einsitzen, werden dabei von Sozialpädagogin und Projektleiterin Minke Burkhardt begleitet. Opfer und Täter stehen nicht in direktem Zusammenhang miteinander und kennen sich zuvor nicht.
Ziel der sechs Treffen ist es, Themen wie Schuldeingeständnis, Reue und Vergebung zu behandeln. Projektleiterin Burkhardt betont, dass Opfer im Justizsystem oft zu kurz kommen. Das Programm gebe ihnen die Möglichkeit, sich mitzuteilen und zu heilen. Gleichzeitig würden die Täter erneut mit ihren Taten konfrontiert.
Ines Agert, eine Teilnehmerin, die vor Jahren Opfer eines Banküberfalls wurde, berichtet von einer Befreiung durch die Gespräche. Heute habe sie fast keine Angst mehr. JVA-Leiterin Katja Fritsche unterstreicht, dass die Inhaftierten erkennen sollen, was sie wirklich angerichtet haben. Oft sähen sie sich selbst als Opfer ihrer Situation.
Durch den Dialog sollen beide Seiten profitieren: Opfer können ihr Schicksal teilen, während Täter die Folgen ihres Handelns begreifen. Dies soll Rückfälle verhindern. Die Jugendkriminalität in Baden-Württemberg ist zuletzt gestiegen, besonders bei Gewalttaten. Die JVA Adelsheim setzt auf Resozialisierung als Herausforderung für Insassen und Personal.



