US-Präsident Donald Trump hat den Reflecting Pool in Washington D.C. umzäunen lassen, um das von Algen befallene Wahrzeichen zu schützen. Arbeiter in neongelben Oberteilen luden am Dienstag Bauzaunteile mit einem Gabelstapler in der National Mall ab und errichteten eine Barriere rund um das Wasserbecken. Der 610 Meter lange Pool ist seit Wochen von Grünalgen befallen, Teile der Bodenfarbe blättern ab. Trump macht dafür „schlimme Vandalen“ verantwortlich.
Nationalgardisten und KI-Kameras patrouillieren
Die Umzäunung ist die jüngste Maßnahme der Trump-Regierung im Kampf gegen das grünliche Wasser. Nationalgardisten in Tarnfleckuniformen patrouillieren entlang des Beckens, mobile Überwachungskameras mit KI-Technik registrieren jede Bewegung. Auf mehreren Videos war zu sehen, wie Parkbesucher, die ihre Hand ins Wasser hielten, nach kurzer Zeit von Uniformierten umringt waren. Das Innenministerium erklärte, die Barriere diene auch zum Schutz vor Vandalismusakten durch linke Aktivisten.
Trump gab bekannt, dass bisher sechs Menschen wegen Vandalismus festgenommen wurden, sieben weitere hätten Anzeigen erhalten. „Wegen des Schadens, den sie am mittlerweile wunderschönen Reflecting Pool unseres Landes angerichtet haben“, so Trump. Er behauptete ohne Beleg, Vandalen hätten Dünger ins Wasser geschüttet, um die Algen zu nähren, und drohte mit langjährigen Haftstrafen.
Olympionike unter den Festgenommenen
Unter den Festgenommenen befindet sich der zweifache Kanuslalom-Weltmeister David Heard. Dem ehemaligen Olympioniken wird vorgeworfen, das Wasserbecken beschädigt zu haben. Heard weist die Vorwürfe zurück. Der „Washington Post“ sagte er, er habe während der Radtour am Reflecting Pool angehalten, um sich die Arbeiten anzusehen. „Ich habe nichts zerstört, kaputtgemacht oder abgepellt“, wird Heard zitiert. Fast fünf Stunden lang sei er festgehalten worden, bis man ihn schließlich wieder freiließ.
Trumps Plan war, das Wasserbecken zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument tiefblau leuchten zu lassen – amerikaflaggenblau, wie er schwärmte. Dafür ließ der US-Präsident es im April trockenlegen und mit Poolfarbe streichen. Die Maßnahme soll rund 14,2 Millionen US-Dollar gekostet haben. Medienberichten zufolge vergab Trump den Auftrag ohne Ausschreibung. Eine Sprecherin des Weißen Hauses sagte der „New York Times“, das Projekt werde im „Trump-Tempo“ vorangetrieben, damit die Arbeiten rechtzeitig zur Feier des 250. Gründungstags der USA am 4. Juli fertiggestellt werden.
Blamage für Trump
Doch die Freude über die neue Farbe währte nicht lang. Kurz nach der Wiedereröffnung Anfang Juni schimmerte das Wasser grün statt blau, Algen hatten sich darin ausgebreitet. Park Ranger versuchten, das Becken zu reinigen, kippten sogar Wasserstoffperoxid ins Wasser, um die Pflanzen abzutöten – ohne Erfolg. Später blätterte auch noch die Poolfarbe an vielen Stellen ab. Trump behauptete, jemand habe mit einem Messer oder einer Rasierklinge einen mehr als hundert Meter langen Riss in den Boden des Pools geschlitzt. Damit macht der Republikaner eine Rolle rückwärts, da er Wochen zuvor noch getönt hatte, dass die Versiegelung selbst mit einem Messer nicht beschädigt werden könne. Regierungsdokumente, die die „New York Times“ einsehen konnte, legen nahe, dass weder die Algenblüte noch das Abblättern der Farbe mutwillig herbeigeführt wurden.
Für die Posse um den Pool muss Trump im Netz seit Tagen Hohn und Spott ertragen. Viele Nutzer sehen in dem Vorgang ein Symbol für die Inkompetenz der Regierung. Sie halte sich lieber mit Nebensächlichkeiten auf und suche nach einem Sündenbock, als die Probleme im Land anzugehen. Auch die Verfolgung von Parkbesuchern wird mal ungläubig, mal besorgt kommentiert. Der Cartoonist Nick Anderson stellte sie in einer Zeichnung gar der Nichtverfolgung der Kapitolstürmer vom 6. Januar 2021 gegenüber.
Kritik von Demokraten
Chuck Schumer, Minderheitsführer der Demokraten, sagte in einer Plenarsitzung des US-Senats: „Amerikaner verlieren ihre Häuser, sie sparen beim Einkaufen, sie gehen zu Fuß zur Arbeit, weil Benzin zu teuer ist, und Trumps oberste Priorität ist derzeit die Reinigung des Reflecting Pools.“ Das Land brauche gerade einen Präsidenten, keinen Pooljungen.
Davon unbeirrt erklärte Trump, dass das Becken erneut geleert werden solle, um Schäden zu beheben. Ob die neuerliche Renovierung bis zur Jubiläumsfeier fertig wird, ist unwahrscheinlich. Der Republikaner deutete an, dass die Arbeiten über den 4. Juli hinaus andauern könnten. „The Atlantic“-Autor Jonathan Chait schrieb: „Die Reflecting-Pool-Episode fängt die meisten Pathologien von Trumps Regierungsführung (Korruption, Inkompetenz, autoritäre Bedrohung, absurde Lügen) ein, ohne dass die üblichen damit einhergehenden Konsequenzen eintreten.“ Es sei „purer, bedeutungsloser Spaß“ – außer für Trump.



