Interview mit Wladimir Kaminer: Ein Abend voller Weisheiten und Katzenliebe
Berlin. Bei seiner diesjährigen Sommerlesung in der renommierten Volksbühne gewährte der gefeierte Schriftsteller Wladimir Kaminer tiefe Einblicke in seine Gedankenwelt. Der 58-Jährige, bekannt für seine humorvollen und zugleich tiefgründigen Erzählungen, plauderte aus dem Nähkästchen über die größten Schätze Deutschlands, seine geliebten Bengalkatzen und das erfrischende Gefühl, sich dumm zu fühlen. Ein Gespräch, das zum Nachdenken anregt.
Die verborgenen Schätze Deutschlands
Kaminer, der seit Jahrzehnten in Berlin lebt und die deutsche Seele wie kaum ein anderer durchleuchtet, verriet dem Publikum, was für ihn die wahren Reichtümer des Landes sind. „Es sind nicht die Autobahnen oder das Bier“, sagte er mit einem Augenzwinkern. „Es sind die Menschen, die ihre Macken lieben und trotzdem weitermachen.“ Er betonte, dass Deutschland ein Land der stillen Helden sei, die im Verborgenen wirken – von der freundlichen Nachbarin bis zum engagierten Ehrenamtlichen. Diese unsichtbaren Schätze seien es, die das Land lebenswert machten.
Die Bengalkatzen als Seelenverwandte
Ein weiteres Thema, das Kaminer am Herzen liegt, sind seine beiden Bengalkatzen. „Diese Tiere sind wie kleine Tiger, die durch die Wohnung streifen“, schwärmte er. „Sie haben einen eigenen Kopf und lassen sich nichts befehlen. Das erinnert mich an die Deutschen – stur, aber liebenswert.“ Die Katzen seien für ihn eine Quelle der Inspiration und der Ruhe. „Wenn ich schreibe, sitzen sie oft neben mir und beobachten mich. Das gibt mir ein Gefühl von Geborgenheit.“
Das schöne Gefühl der Dummheit
Besonders nachdenklich wurde Kaminer, als er über das Gefühl sprach, sich dumm zu fühlen. „In unserer Gesellschaft wird Intelligenz über alles gestellt“, erklärte er. „Dabei ist es so befreiend, sich einzugestehen, dass man etwas nicht weiß. Sich dumm zu fühlen, ist ein schönes Gefühl, weil es den Raum für Neues öffnet.“ Er ermutigte die Zuhörer, öfter mal die Rolle des Unwissenden einzunehmen und neugierig zu bleiben. „Nur wer sich dumm fühlt, kann wirklich lernen.“
Das neue Buch: „Das geheime Leben der Deutschen“
Ende August erscheint Kaminers neues Werk mit dem Titel „Das geheime Leben der Deutschen“. Darin widmet er sich den skurrilen und berührenden Geschichten, die sich im Alltag der Bundesbürger verbergen. „Ich habe Menschen getroffen, die ihre ganz eigenen kleinen Welten erschaffen haben“, verriet er. „Von einem Mann, der jeden Tag dieselbe Parkbank streichelt, bis zu einer Frau, die heimlich Gedichte in Telefonzellen hinterlässt.“ Das Buch verspricht, ein liebevolles Porträt der deutschen Gesellschaft zu werden, das zum Schmunzeln und Nachdenken einlädt.
Die Lesung in der Volksbühne war ein voller Erfolg. Das Publikum lauschte gebannt den Anekdoten und belohnte Kaminer mit stehenden Ovationen. Der Abend endete mit einer Fragerunde, bei der die Zuschauer noch mehr über die Bengalkatzen und die Geheimnisse des Lebens erfahren konnten. Ein unvergesslicher Sommerabend in Berlin.



