Hape Kerkeling: „Ich wurde im Netz schon gelyncht“
Kerkeling: „Ich wurde im Netz schon gelyncht“

Komiker und Autor Hape Kerkeling hat zunehmend mit Hass im Netz zu kämpfen. Der 61-Jährige, der sich seit geraumer Zeit offen gegen Rechts positioniert, beklagte in einem Podcast zum diesjährigen Christopher Street Day (CSD) in Leipzig: „Theoretisch wurde ich im Netz schon gelyncht für all das, was ich gesagt habe.“ Kerkeling ist Botschafter der Veranstaltung.

„Stellvertreterbürgerkrieg“ im Internet

Über das Online-Verhalten einiger Menschen sagte er: „Da tobt wirklich ein Stellvertreterbürgerkrieg, den wir Gott sei Dank auf den Straßen noch nicht ausfechten.“ Umso wichtiger sei es aber, seine Meinung zu sagen. Kerkeling engagiert sich zunehmend politisch. Derzeit läuft eine Online-Petition „Hape Kerkeling als Bundespräsident“, die bis Samstagvormittag mehr als 47.000 Unterstützer hatte.

Kerkeling: Bundespräsidentenamt wäre möglich

Auf die Frage, ob er sich das höchste deutsche Staatsamt zutraue, sagte er: „Wenn ich so in die Welt schaue und mir angucke, wer in der Welt in führenden Positionen das Sagen hat, dann bin ich geneigt zu sagen: Ja, das traue ich mir zu.“ Dazu verwies er etwa auf die USA. Eigentlich ist Kerkeling vor allem für seine Kunstfigur Horst Schlämmer bekannt, sein Buch „Ich bin dann mal weg“ über eine Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg ist ein Bestseller und wurde verfilmt.

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Kerkeling: CSD ist Kampf um Bürgerrechte

Seit seinem Outing Anfang der 90er Jahre lebt Kerkeling offen schwul. In diesem Jahr steht er dem CSD in Leipzig und dem im brandenburgischen Golßen als Pate vor. Der CSD sei neben einer großen Party vor allem ein Kampf um Bürgerrechte, betonte der Komiker. Die seien heute wieder in Gefahr. „Wir müssen deutlich sagen – alle miteinander, die Mehrheitsgesellschaft – dass wir Vielfalt wollen.“ Vielfalt sei gesund für die Gesellschaft und schaffe eine Gesellschaft auf Augenhöhe. Er sprach sich dafür aus, Rechte von queeren Menschen stärker im Grundgesetz zu verankern.

Straftaten gegen Queere steigen drastisch

Tatsächlich steigen die Straftaten gegenüber queeren Menschen seit Jahren. Die Zahl der Straftaten im Bereich „Sexuelle Orientierung“ und „Geschlechtsbezogene Diversität“ hat sich laut dem neuesten Lagebericht des Bundeskriminalamts seit 2010 nahezu verzehnfacht. Am häufigsten kommt es zu Beleidigungen, Gewalttaten, Volksverhetzungen sowie Nötigungen und Bedrohungen.

Kerkeling bleibt CSD fern

Kerkelings Einsatz für die CSD-Veranstaltungen bleibt allerdings symbolisch. Aus zeitlichen Gründen werde er in Leipzig und Golßen nicht dabei sein, sagte er. An und für sich seien Großveranstaltungen nicht seine Sache, bekannte Kerkeling: „Privat bin ich eher eine zurückhaltende Type und reiße mich gar nicht so sehr darum, im Mittelpunkt zu stehen.“ In Golßen wird der CSD am 20. Juni gefeiert, in Leipzig ist die Demonstration samt Straßenfest am 18. Juli geplant.

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