Kurierfahrer gewinnt Chinas renommierten Lu-Xun-Literaturpreis
Kurierfahrer gewinnt Lu-Xun-Literaturpreis

Der 56-jährige Essenskurier Wang Jibing aus Kunshan in der chinesischen Provinz Jiangsu hat den renommierten Lu-Xun-Literaturpreis gewonnen. Der Preis ist eine der höchsten literarischen Ehrungen Chinas. Wang wurde für seine Gedichte ausgezeichnet, die er in den Pausen zwischen seinen Auslieferungen verfasst und die den harten Alltag einfacher Arbeiter thematisieren.

„Ich hielt den Atem an und war unglaublich nervös. Als mein Name bekannt gegeben wurde, fiel die ganze Anspannung von mir ab“, sagte Wang der staatlichen Zeitung Global Times, als er von seinem Sieg erfuhr.

Vom Bauarbeiter zum preisgekrönten Dichter

Wang Jibing, Jahrgang 1969, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und musste die Schule nach der Mittelstufe abbrechen. Danach schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch: Er arbeitete auf dem Bau, sammelte Altmetall und versuchte sich als Markthändler. 2019, mit 50 Jahren, begann er als Essenskurier zu arbeiten.

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In seiner Freizeit pflegte er seine Leidenschaft für Literatur, schrieb heimlich Gedichte und Essays und veröffentlichte sie in sozialen Medien. Der literarische Durchbruch kam nach einem besonders frustrierenden Arbeitstag: Ein Kunde hatte eine falsche Lieferadresse angegeben, sodass Wang mehrmals vergeblich ein Treppenhaus hochsteigen musste. Aus Frust verfasste er ein Gedicht über den ständigen Zeitdruck, dem Lieferfahrer ausgesetzt sind. Ein befreundeter Dichter teilte das Werk, das sich rasend schnell verbreitete und innerhalb kurzer Zeit rund 26 Millionen Aufrufe erzielte.

6000 Gedichte und mehrere Bände

Seitdem hat Wang mehr als 6000 Gedichte verfasst, oft auf Zetteln oder auf seiner Handfläche notiert, während er vor Restaurants auf Bestellungen wartete. Mehrere Gedichtbände hat er bereits veröffentlicht, für seinen letzten wurde er nun mit dem Lu-Xun-Literaturpreis ausgezeichnet.

Trotz des Ruhms will Wang weiter als Kurierfahrer arbeiten, mindestens bis zu seinem 60. Geburtstag. Seine Geschichte zeigt, wie Poesie aus dem Alltag entstehen kann und dass literarische Anerkennung nicht an akademische Laufbahnen gebunden ist.

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