Berlin. Unsere Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ ehrte den verstorbenen Mario Adorf – und erklärte, warum er sein Archiv Berlin vermacht hat. Von Peter Zander, Kultur-Redakteur.
Ein Abend zu Ehren von Mario Adorf
Vor zwei Monaten starb der große Schauspieler Mario Adorf im Alter von 95 Jahren. Aus diesem Anlass wurde er noch einmal geehrt: In der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“, die die Berliner Morgenpost gemeinsam mit dem Zoo Palast veranstaltet, wurde am Dienstag sein großer, früher Erfolg „Nachts, wenn der Teufel kam“ gezeigt – seine erste Kinohauptrolle, mit der er sich sofort ins kollektive Gedächtnis einprägte.
Zu Gast war Torsten Musial, der bis vor einem Monat noch Leiter des Filmarchivs der Berliner Akademie der Künste war und gerade in Pension ging. 2012 gelang ihm ein großer Coup: Mario Adorf vermachte sein Archiv als sogenannter Vorlass der AdK. Das erstaunt, war er doch eher in Paris, Rom und München zuhause und in letzterer Stadt auch Mitglied der Akademie der Schönen Künste, nicht aber bei der AdK. Wie kam sein Archiv dann in die Hauptstadt? „Ganz einfach: Ich habe ihn gefragt“, sagt Torsten Musial.
Das Archiv: Ein Schatz an Erinnerungen
Das Archiv umfasste über zwölf Regalmeter, viele Aktenordner, in denen Adorfs Mutter alle Artikel über ihren Sohn ausgeschnitten und gesammelt hatte. Aber auch Preise, Erinnerungsstücke – und Tausende Dias, die Adorf bei Dreharbeiten machte, um später seiner Mutter zu zeigen, wo und wie er gearbeitet hatte. Die Trennung fiel Adorf nicht schwer, er hing nicht so an Dingen.
Als 2012 die AdK Schätze aus dem Archiv in der Ausstellung „… Böse kann ich auch“ zeigte, habe Adorf zur Eröffnung im Hotel Adlon nebenan gewohnt. In den ersten Tagen danach sei er immer frühmorgens, bevor die Ausstellungsräume öffneten, hineingegangen, um einmal all die Archivalien zu sehen, die bei ihm zuhause nie ausgestellt, sondern immer nur abgelagert waren. Ein zutiefst menschlicher Zug.
Ein liebenswerter Mensch, den nur eins auf die Palme brachte
Musial hat ihn in dieser Zeit kennengelernt und auch bei seinen verschiedenen Wohnorten besucht, um mit ihm das Archiv aufzuarbeiten. Dabei erlebte er ihn als einen zutiefst sympathischen und nahbaren Menschen, der immer zugewandt war. Auch bei der Arbeit sei er so gewesen, wie viele Kollegen bestätigen. Nur eins brachte ihn auf die Palme: Wenn eine Szene, die er für sehr wichtig hielt, aus dem fertigen Film herausgeschnitten wurde. Das ist bei „Die Blechtrommel“ passiert, aber auch bei „Nachts, wenn der Teufel kam“.
Auf den Film war Adorf dennoch lange stolz, bis herauskam, dass Bruno Lüdke, den er da spielte, eben nicht der große Serienmörder Berlins war, als den ihn die Nazis verunglimpft haben. Es hat den Schauspieler schwer getroffen, dass er dazu beigetragen hatte, dieses Bild von ihm weiter zu transportieren. Musial wies allerdings im Zoo Palast darauf hin, dass er später dazu beitrug, Lüdke postum zu rehabilitieren. Und 2021 zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier einen Stolperstein zu Lüdkes Gedenken in Köpenick einweihte. Der Film sei dennoch ein Zeitdokument, wie Musial meinte, weil er auch zeige, wie unbekümmert man in der Nachkriegszeit noch mit der Nazivergangenheit umgegangen sei.
Ausblick: Nächste Filmvorführung
Als nächstes zeigt die Filmreihe am 7. Juli das knallharte Jugenddrama „Sonne und Beton“ aus dem Jahr 2023. Zu Gast ist dann Regisseur David Wnendt.



