Nick Cave hat am Dienstagabend die Berliner Waldbühne in eine Kirche der Rockmusik verwandelt. Mit einer Mischung aus Predigt, Poesie und purer Energie zog der 65-jährige Australier das Publikum in seinen Bann. Das zweieinhalbstündige Konzert war eine emotionale Achterbahnfahrt durch sein umfangreiches Werk.
Ein Abend voller Intensität
Schon der Auftakt mit „Get Ready for Love“ setzte den Ton für den Abend. Cave, in schwarzem Anzug und mit wilder Gestik, schien jedes Wort zu zelebrieren. Die Band, die Bad Seeds, spielte druckvoll und präzise. Besonders die neuen Songs vom Album „Wild God“ kamen live noch intensiver rüber. „Es ist, als würde man eine Predigt hören, aber eine, die einen dazu bringt, zu tanzen und zu weinen“, sagte eine Konzertbesucherin.
Publikum als Teil der Show
Wie immer bei Cave war das Publikum nicht nur Zuschauer, sondern Teil der Inszenierung. Er forderte die Menge auf, näher zu kommen, und ließ sich von ihr berühren. Bei „The Mercy Seat“ und „Into My Arms“ herrschte andächtige Stille, während bei „Red Right Hand“ und „Stagger Lee“ die Hölle los war. „Nick Cave ist der letzte große Prediger des Rock ’n’ Roll“, kommentierte ein Fan.
Ein Abend der Gegensätze
Das Konzert war eine Reise durch die Extreme von Caves Schaffen: von der düsteren Gewalt der frühen Jahre bis zur spirituellen Erlösung seiner späteren Werke. „Es ist erstaunlich, wie er es schafft, all diese Facetten in einem Abend zu vereinen“, so ein Kritiker. Die Waldbühne, mit ihrer natürlichen Akustik und der atemberaubenden Kulisse, bot die perfekte Bühne für Caves dramatische Performance.
Statistik und Fakten
Das Konzert war das erste von zwei geplanten Shows in Berlin. Die Waldbühne war mit rund 20.000 Besuchern ausverkauft. Der Vorverkauf für die zweite Show am Mittwoch läuft noch. Nick Cave und die Bad Seeds sind auf einer ausgedehnten Welttournee, die sie unter anderem auch nach Südamerika und Asien führt.



