Historische Reise des Teppichs von Bayeux
Erstmals seit mehr als 900 Jahren wird der berühmte Teppich von Bayeux wieder in Großbritannien zu sehen sein. Das rund 70 Meter lange und etwa 350 Kilogramm schwere Kunstwerk soll für eine Ausstellung im British Museum in London von Frankreich nach England gebracht werden. Die logistische Herausforderung ist enorm, und Fachleute äußern Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des fragilen Textils.
Transport in einer Hightech-Kiste
Der Transport erfolgt in einer eigens konstruierten schwarzen Transportkiste, die auf Federn sitzt, um Erschütterungen abzufangen. Die Kiste hält Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant. Zuvor wurden mehrere Probefahrten mit einer detailgetreuen Kopie durchgeführt, bei denen Sensoren jede Bodenunebenheit, Kurve und Bremsung aufzeichneten, um die Route zu optimieren. Das genaue Transportdatum bleibt aus Sicherheitsgründen geheim. Die Reise soll im Juli per Lkw durch den Eurotunnel erfolgen.
Kritik und Bedenken von Experten
Textilrestauratoren und Kulturvereine warnen vor den Risiken. Julien Lacaze, Pressesprecher des Vereins „Sites et Monuments“, betonte: „Es handelt sich um Textilfasern, die 1000 Jahre alt und äußerst fragil sind. Es gibt nichts Zerbrechlicheres als ein 1000 Jahre altes Textil.“ Eine Petition gegen den Transport sammelte in Frankreich Zehntausende Unterschriften. Kritiker halten die Reise für ein unnötiges Risiko für das Kunstwerk.
Details zur Ausstellung
Vom 10. September 2026 bis zum 11. Juli 2027 wird der Teppich im British Museum flach ausgebreitet in einer speziellen Vitrine gezeigt, nicht wie bisher vertikal hängend. Der Kartenverkauf beginnt am 1. Juli, die Preise liegen zwischen 25 und 33 britischen Pfund (28 bis 38 Euro). Die britische Regierung versicherte das Kunstwerk für geschätzte 800 Millionen Pfund (ca. 925 Millionen Euro).
Historischer Hintergrund
Der Teppich zeigt die Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer und die Schlacht von Hastings im Jahr 1066. Er ist etwa 68 Meter lang, besteht aus Leinenbahnen und wurde mit vier Farbstoffen und fünf Sticksticharten gefertigt. Dargestellt sind 627 Figuren, 737 Tiere, 23 Bäume und 416 Pflanzen. Die meisten Historiker gehen davon aus, dass der Teppich in England, vermutlich in Canterbury, entstanden ist. Auftraggeber war wahrscheinlich Bischof Odo von Bayeux, Wilhelms Halbbruder.
Digitale Alternative
Wer nicht nach London reisen kann, kann den Teppich digital auf der Website des Musée de la Tapisserie de Bayeux erkunden. Dort lassen sich einzelne Szenen auswählen, zoomen und Übersetzungen der lateinischen Inschriften anzeigen.



