Nach dem Jahr als Kulturhauptstadt Europas verwandelt sich Chemnitz nun in ein Mekka der darstellenden Künste. Das renommierte Festival „Theater der Welt“ öffnet am Donnerstag, den 18. Juni, seine Pforten in der sächsischen Stadt. Mehr als 30 internationale Produktionen wurden von einem Kuratoren-Team ausgewählt, um das vielfältige Spektrum des zeitgenössischen Theaters zu präsentieren.
Indigene Perspektiven im Fokus
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf indigenen Stimmen und Perspektiven. Zur Eröffnung wird in der Chemnitzer Oper das Musiktheater „Split Tooth: Saputjiji“ der kanadischen Sängerin und Autorin Tanya Tagaq aufgeführt. Das Stück erzählt die Geschichte einer Heranwachsenden in der Arktis, die von der übermächtigen Natur und der sich auflösenden indigenen Gemeinschaft geprägt wird. Das Publikum kann sich auf Kehlkopfgesang der Inuit freuen, eine traditionelle Gesangstechnik, die das Stück authentisch untermalt.
Internationales Flair und vielfältige Genres
„Theater der Welt“ gilt als eines der bedeutendsten internationalen Theaterfestivals in Deutschland. Hauptträger ist das deutsche Zentrum des Internationalen Theaterinstituts. Das Festival findet alle drei Jahre statt und zeigt künstlerische Perspektiven aus aller Welt. Nach Stationen in Frankfurt am Main und Offenbach ist nun Chemnitz bis zum 5. Juli Gastgeber. Die Stadt in Sachsen war im Vorjahr Kulturhauptstadt Europas.
Das Programm umfasst neben Musiktheater auch Schauspiel, Performance und Figurentheater. Die Pop-Oper „Nkoli: A Fierce & Fabulous Life“ widmet sich dem Anti-Apartheid-Aktivisten und Vorkämpfer der Lesben- und Schwulenbewegung Simon Nkoli. In der Produktion „Blur“ können Besucher durch künstlich erzeugte Welten navigieren. Die tschechische Inszenierung „Amadoka“ greift die Romantrilogie von Sofia Andruchowytsch auf, die ein Jahrhundert ukrainischer Geschichte aus der Perspektive von drei Frauen erzählt. Eine deutsch-chinesische Koproduktion bringt Alfred Döblins Roman „Berge, Meere und Giganten“ unter dem Titel „Luftmasse“ auf die Bühne – das visuelle Konzept stammt vom Künstler Ai Weiwei.
Parallelkunstfestival „Begehungen“
Parallel zum „Theater der Welt“ findet das Kunstfestival „Begehungen“ statt, das das verwaiste Schauspielhaus der Stadt in eine Galerie für zeitgenössische Kunst verwandelt. Der Bau steht seit Jahren leer und wartet auf eine Sanierung. Unter dem Titel „In der Vorstellung“ werden Arbeiten von Künstlern wie Hito Steyerl, Jana Gunstheimer, Cindy Sherman, Danica Dakić und Martina Pinosa gezeigt.



