Das Theater o. N. in Berlin steht vor einem historischen Neuanfang: Nach 46 Jahren am Kollwitzplatz zieht die Bühne in den Thälmannkiez um. Die Schauspielerinnen Iduna Hegen und Uta Griseldis-Lindner führten bei einem Spaziergang durch die neuen Räumlichkeiten und gewährten Einblicke in die Zukunft des Theaters.
Ein neues Kapitel für das Theater o. N.
Der Umzug markiert einen tiefgreifenden Wandel für das Ensemble, das seit seiner Gründung 1980 im Prenzlauer Berg beheimatet war. „Wir lassen einen Ort voller Erinnerungen zurück, aber der Thälmannkiez bietet uns die Chance, uns neu zu erfinden“, erklärte Iduna Hegen. Die neue Spielstätte in der Greifswalder Straße umfasst rund 400 Quadratmeter – fast doppelt so viel wie die alte Location.
Ein Spaziergang durch die neue Heimat
Bei dem Rundgang zeigten die beiden Schauspielerinnen die noch unfertigen Räume: einen großen Saal für 120 Zuschauer, einen kleineren Probensaal und ein Foyer mit Blick auf den Innenhof. „Die Akustik hier ist fantastisch“, schwärmte Uta Lindner. Der Umbau soll bis September 2026 abgeschlossen sein; die erste Premiere ist für Oktober geplant.
Das alte Theater am Kollwitzplatz war über die Jahre zu klein geworden. Mit dem Umzug will das Ensemble nicht nur mehr Platz gewinnen, sondern auch ein jüngeres Publikum ansprechen. „Wir möchten experimenteller werden, mehr zeitgenössische Stücke zeigen“, so Hegen.
Herausforderungen und Chancen
Der Umzug war nicht billig: Rund 1,2 Millionen Euro wurden investiert, finanziert durch Fördermittel des Berliner Senats und Spenden. „Ohne die Unterstützung der Stadt und unserer treuen Gönner wäre das nicht möglich gewesen“, betonte Lindner. Die Miete im neuen Viertel ist zudem günstiger, was langfristig Planungssicherheit schafft.
Der Thälmannkiez, geprägt von Altbauten und einer lebendigen Kiezkultur, bietet dem Theater o. N. eine neue Nachbarschaft. „Hier gibt es viele junge Familien und Studierende – genau die Leute, die wir erreichen wollen“, sagte Hegen.
Blick in die Zukunft
Das Theater o. N. plant für die erste Saison ein Programm mit sechs Eigenproduktionen und drei Gastspielen. „Wir wollen zeigen, dass Theater auch abseits der großen Bühnen funktioniert“, so Lindner. Der Spaziergang endete im künftigen Foyer, wo die beiden Schauspielerinnen auf die vergangenen 46 Jahre zurückblickten: „Jeder Abschied ist auch ein Anfang – und wir sind bereit für dieses neue Abenteuer.“



