Disneys „Vaiana 2“ ist da – und mit ihm die Frage, ob die Fortsetzung an den Erfolg des ersten Teils anknüpfen kann. Die Antwort ist ernüchternd: Der Film surft auf derselben Welle wie sein Vorgänger, ohne neue Impulse zu setzen. Regisseur John Musker und Ron Clements, die bereits das Original inszenierten, bleiben dem bewährten Muster treu: Eine junge Heldin, ein sprechendes Tier, eine Reise über das Meer und eine Prise Selbstfindung. Doch was 2016 noch frisch und originell wirkte, wirkt nun wie eine Kopie.
Handlung: Altbekanntes in neuem Gewand
Die Handlung von „Vaiana 2“ spielt einige Jahre nach den Ereignissen des ersten Films. Vaiana (im Original von Auliʻi Cravalho gesprochen) ist inzwischen eine erfahrene Navigatorin und Anführerin ihres Volkes. Als eine neue Bedrohung das Gleichgewicht der Inseln gefährdet, muss sie erneut in See stechen. An ihrer Seite: der Halbgott Maui (Dwayne Johnson) und das Huhn Heihei. Die Reise führt sie zu unbekannten Inseln, wo sie auf mythische Kreaturen und neue Verbündete treffen. Doch die Struktur der Reise folgt exakt dem Schema des ersten Teils: Ein Problem taucht auf, Vaiana zögert, wird überredet, erlebt Hindernisse und findet am Ende die Lösung in sich selbst.
Animation und Musik: Gewohnte Disney-Qualität
Technisch bleibt „Vaiana 2“ auf dem hohen Niveau, das man von Disney erwartet. Die Animation ist detailreich und farbenfroh, die Unterwasserwelten und Dschungellandschaften sind atemberaubend. Die Musik stammt erneut von Lin-Manuel Miranda, Opetaia Foaʻi und Mark Mancina. Der Titelsong „We Know the Way“ wird in einer neuen Version präsentiert, und es gibt einige eingängige neue Lieder. Doch auch hier fehlt der Überraschungseffekt: Die Songs sind solide, aber nicht so mitreißend wie „How Far I‘ll Go“ aus dem ersten Film. Laut einer Kritik der „New York Times“ sei die Musik „funktional, aber nicht magisch“.
Charakterentwicklung: Stagnation statt Wachstum
Besonders enttäuschend ist die mangelnde Entwicklung der Hauptfigur. Vaiana hatte im ersten Film bereits eine beeindruckende Reise von einem unsicheren Mädchen zur mutigen Anführerin durchgemacht. In der Fortsetzung zeigt sie kaum neue Facetten. Ihre Motivationen bleiben oberflächlich, und die Konflikte wirken konstruiert. Maui, der im Original eine komplexe Entwicklung vom eitlen Halbgott zum verletzlichen Helden durchlief, ist hier auf seine Rolle als Sidekick reduziert. Selbst das Huhn Heihei, das für komische Einlagen sorgt, hat weniger Screentime. Der Film versäumt es, die Beziehungen zwischen den Figuren zu vertiefen oder neue Dynamiken einzuführen.
Kritik: Eine verpasste Chance
„Vaiana 2“ ist nicht schlecht, aber er ist überflüssig. In einer Zeit, in der Animationsstudios wie Pixar oder Studio Ghibli mit originellen Geschichten und emotionalen Tiefgang punkten, wirkt Disneys Fortsetzung wie ein Aufguss. Dabei hätte der Film die Chance gehabt, neue Themen wie Kolonialismus, kulturelle Aneignung oder die Verantwortung gegenüber der Umwelt aufzugreifen – alles Aspekte, die im ersten Film nur angerissen wurden. Stattdessen bleibt er im sicheren Hafen des Bewährten. Das Publikum scheint dies zu spüren: Laut Branchenberichten blieben die Einspielergebnisse am Startwochenende hinter den Erwartungen zurück. Ein Kritiker der „Süddeutschen Zeitung“ urteilte: „Disney hat vergessen, dass eine Fortsetzung mehr sein muss als eine Wiederholung.“
Fazit: Für Fans ein netter Nachmittag, mehr nicht
Wer den ersten „Vaiana“-Film liebt, wird auch an der Fortsetzung Freude haben. Die Animation ist schön, die Musik ist okay, und die Geschichte ist vertraut. Aber wer etwas Neues erwartet, wird enttäuscht. „Vaiana 2“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie Hollywood mit bewährten Formeln arbeitet – ohne Risiko, aber auch ohne Leidenschaft. Der Film ist ab dem 27. November 2024 in den deutschen Kinos zu sehen.



