Venedig ohne Idyll: Historienfilm über weibliche Rebellion im barocken Venedig
Venedig ohne Idyll: Historienfilm über weibliche Rebellion im barocken Venedig

Im 18. Jahrhundert erhalten junge Frauen im Ospedale Pietà in Venedig eine musikalische Ausbildung – eine Seltenheit in einer Zeit, in der Frauen in Gottesdiensten nicht singen und auf keiner Opernbühne auftreten dürfen. Der Film „Vivaldi und ich“ von Regisseur Damiano Michieletto zeigt diese bemerkenswerte Einrichtung, in der die Mädchen jedoch hoch auf der Empore musizieren müssen, damit niemand ihr Gesicht sieht.

Der Film ist keine Liebesromanze, sondern erzählt die Geschichte der fiktiven Geigenschülerin Cecilia, deren Talent von Antonio Vivaldi erkannt wird. Er macht sie zur Konzertmeisterin. Doch trotz ihrer hohen musikalischen Ausbildung werden die jungen Frauen ausgebeutet: Sobald sie geschlechtsreif sind, verkauft der Klerus sie an Männer der höheren Gesellschaft. Nach der Hochzeit dürfen sie ihr Instrument nicht mehr anrühren.

Cecilia weigert sich, diesen Weg zu gehen. Ihr Lehrmeister Vivaldi, gesundheitlich angeschlagen und finanziell abhängig, unternimmt jedoch keine Anstrengungen, sie freizukaufen. So bleibt Cecilia nichts anderes übrig, als mutig selbst für ihre Freiheit zu kämpfen. Schauspielerin Tecla Insolia zeichnet diese Entwicklung glaubwürdig nach.

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Regisseur Michieletto, selbst Venezianer, legt Wert auf historische Authentizität. Die Geschichte basiert auf dem Buch „Die Geschichte des Lebens in den Musikinstitutionen des 18. Jahrhunderts“. Pittoreske Landschaftsbilder von Venedig, inspiriert von Canaletto, untermalen den künstlerischen Anspruch. Die Musik Vivaldis wird stilsicher in die Handlung eingebunden, ergänzt durch einen eigens komponierten Soundtrack von Fabio Massimo Capogrosso.

Capogrossos Filmmusik folgt der Figur der Cecilia und gibt ihrem Seelenleben mit düsteren Klängen Ausdruck. Die breit angelegte Partitur wirkt gelegentlich überladen; mehr Momente der Stille hätten Vivaldis Musik in dieser berührenden Emanzipationsgeschichte noch stärker zur Geltung gebracht.

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