Ein Musical über die Weiße Rose: Vera Bolten im Gespräch
Das preisgekrönte Musical „Die weiße Rose“ von Vera Bolten und Alex Melcher gastiert vom 10. bis 13. Juni im Berliner Admiralspalast. Die Produktion, die bereits sieben Auszeichnungen beim Deutschen Musicalpreis erhielt, darunter die für das beste Musical, erzählt die Geschichte der Geschwister Scholl und ihrer Mitstreiter im Widerstand gegen das NS-Regime. Im Interview spricht die Autorin und Regisseurin Vera Bolten über die Entstehung, die musikalische Umsetzung und die beunruhigenden Parallelen zur heutigen Zeit.
Kann man über die Weiße Rose ein Musical machen?
Viele verbinden Musicals mit Unterhaltung und Eskapismus. Vera Bolten sieht das anders: „Es ist eine eingeschränkte Sichtweise, Musical immer als Event oder Show mit kommerziellem Hintergrund zu sehen. Für mich ist es Musiktheater, das gesprochene Sprache mit verschiedenen Musikstilen und Tanz verbindet.“ Daher sei es nicht nur legitim, sondern fast angebracht, ein Musical über die Weiße Rose zu schaffen. Wichtig sei dabei, dies mit Respekt und Demut zu tun, betont die Regisseurin.
Musik als emotionaler Zugang
Die Musik von Alex Melcher, der aus dem Rock-Pop-Bereich kommt, dient nicht der Vertonung von Dialogen, sondern von Gedanken, Briefen und inneren Monologen. „Musik setzt ein, wenn man nicht mehr weitersprechen kann“, erklärt Bolten. Die Nazis hingegen singen nicht – ihnen wird bewusst kein Raum für ihre Innenwelt gegeben. Stattdessen werden sie als geschlossenes System dargestellt, während die Mitglieder der Weißen Rose durch ihre Lieder emotional erfahrbar werden.
Bildungsauftrag und Aktualität
Das Musical richtet sich bewusst auch an junge Menschen. Schulvorstellungen sind fast ausverkauft, und die Nachgespräche werden rege genutzt. Eine Lehrerin berichtete, dass zwei Schülerinnen nach der Vorstellung eine Biografie über die Scholls kauften. „Wenn man das erreichen kann, ist das schön“, freut sich Bolten. Die Aktualität des Stoffs sei erschreckend: „Wir haben vor sieben Jahren angefangen, dieses Stück zu konzipieren, und hätten nie gedacht, dass es so aktuell wird.“ Sie sieht Parallelen in der Unzufriedenheit der Menschen und der Suche nach einfachen Lösungen, heute verstärkt durch soziale Medien.
Berlin als Spielort
Obwohl Berlin eine schwierige Musical-Stadt mit großer Konkurrenz sei, zeigt sich Bolten zuversichtlich: „Das Interesse ist da. Unsere Schülervorstellungen sind fast ausverkauft.“ Das Musical sei nicht nur in Bayern verankert, sondern spreche ein gesamtdeutsches Publikum an. „Es ist gut, gerade junge Menschen zu sensibilisieren, die in dem Alter sind, in dem Sophie und Hans Scholl waren“, so die Regisseurin.



