Die Bayreuther Festspiele haben ihr 150-jähriges Jubiläum mit einem deutlichen politischen Statement eröffnet. Festspiel-Leiterin Katharina Wagner, Urenkelin des Komponisten Richard Wagner, nutzte den Festakt am Sonntag, um sich entschieden gegen den zunehmenden Rechtsruck in Politik und Gesellschaft zu positionieren. „Es geht darum, hier Nein zu sagen gegen Rassismus, Chauvinismus und eine Verharmlosung der Geschichte“, erklärte sie vor rund 1.200 Gästen im Festspielhaus. Dies gelte „wegen der sehr persönlichen Verknüpfung“ ihrer Familie mit dem NS-Regime unter Adolf Hitler.
Jubiläumsauftakt ohne Wagner-Oper
Anders als in den Vorjahren stand zur Eröffnung keine Inszenierung einer Wagner-Oper auf dem Programm. Stattdessen erklang Ludwig van Beethovens 9. Symphonie, dirigiert von Christian Thielemann. Das Werk spielte im Leben Richard Wagners eine besondere Rolle: Es wurde bereits bei der Grundsteinlegung des Festspielhauses 1872 aufgeführt. Die musikalische Leitung Thielemanns wurde vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus gefeiert.
Mit der Jubiläumsspielzeit erinnern die Festspiele an ihre Gründung im Jahr 1876, als Richard Wagner im eigens errichteten Festspielhaus erstmals den vollständigen „Ring des Nibelungen“ aufführen ließ und damit Musikgeschichte schrieb. „Die Bayreuther Festspiele waren nie losgelöst von ihrer Zeit“, betonte Katharina Wagner. Das Jubiläum sei „weit mehr als ein Anlass, zu feiern“. Ziel müsse es sein, „die Tradition ernst zu nehmen, ohne sie zu verklären“ – „damit die Zukunft nicht erneut in der Finsternis der Vergangenheit endet“.
Kanzler Merz: Wagners Musik „genießen, aber nicht ohne Misstrauen“
Bundeskanzler Friedrich Merz hielt ein Grußwort, in dem er sich kritisch mit Richard Wagners Antisemitismus auseinandersetzte. Er zitierte den Schriftsteller Thomas Mann, der empfohlen hatte, Wagners Musik zu „genießen, aber nicht ohne Misstrauen“. „Canceln ist jedenfalls auch hier keine Lösung“, sagte Merz. Besser sei eine kritische Auseinandersetzung, wie sie bei den Bayreuther Festspielen geschehe: „Spät, aber es ist geschehen.“
Bayerns Kunstminister Markus Blume ergänzte: „150 Jahre Bayreuther Festspiele erzählen von den größten Sternstunden der Oper und sie erzählen von den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte – beides gehört untrennbar zu Bayreuth.“ Richard Wagner sei „ein musikalisches Genie, zugleich aber ein erbitterter Antisemit“ gewesen. „Sein antisemitisches Denken ging in Teilen weit über die Vorurteile seiner Zeit hinaus“, so Blume. „Bei aller Bewunderung für sein Werk dürfen wir davor niemals die Augen verschließen.“
Roter Teppich mit Politikprominenz
Vor dem Festakt bot der rote Teppich vor dem Festspielhaus Gelegenheit zum Schaulaufen. Bundeskanzler Merz und seine Frau Charlotte wurden von den Zuschauern empfangen. Den größten Applaus der Zaungäste erhielt jedoch Ex-Kanzlerin Angela Merkel, die gemeinsam mit ihrem Mann Joachim Sauer erschien. Merkel und Sauer sind seit vielen Jahren Stammgäste am Grünen Hügel. Auch Thüringens Regierungschef Mario Voigt, Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir, die neue Kanzleramtschefin Nina Warken und der neue Bund-Länder-Koordinator Philipp Amthor waren unter den Gästen.
Aus der Film- und Fernsehbranche kamen Moderator Florian Silbereisen, Ex-„Tatort“-Schauspieler Udo Wachtveitl und TV-Koch Alexander Herrmann, der im nahen Wirsberg sein Stammhaus betreibt.
Kritik und Gedenkkonzert-Absage
Bereits im Vorfeld war Kritik an den Festspielen laut geworden, nachdem ein Gedenkkonzert für jüdische Opfer abgesagt worden war. Dies wurde als „Bankrotterklärung“ bezeichnet. Die Festspielleitung hatte die Absage mit organisatorischen Gründen verteidigt.
Die Bayreuther Festspiele 2026 dauern vom 24. Juli bis zum 26. August 2026. Das Programm umfasst neben dem „Ring des Nibelungen“ weitere Werke Richard Wagners sowie konzertante Aufführungen.



