Indien: Kakerlaken-Bewegung erringt Erfolg – Proteste beendet
Kakerlaken-Bewegung in Indien erringt Erfolg

Die indische Studierendenbewegung „Kakerlaken“ (CJP) hat nach tagelangen Protesten einen bedeutenden Erfolg erzielt: Die Regierung von Premierminister Narendra Modi akzeptierte alle zentralen Forderungen der Demonstranten. Als erstes Zugeständnis trat Bildungsminister Dharmendra Pradhan am Samstag zurück – eine der Hauptforderungen der Bewegung. Daraufhin verkündete CJP-Sprecher Ashutosh Ranka das Ende der Proteste und rief die Demonstranten auf, friedlich nach Hause zu gehen.

Rücktritt des Bildungsministers als Wendepunkt

Bildungsminister Pradhan erklärte auf der Plattform X: „Es schmerzt mich, die Ereignisse der letzten zehn Tage mit anzusehen.“ Er betonte, es gehe ihm nicht um persönliches Ansehen, sondern um das Wohl der indischen Jugend. „Die Kraft der indischen Jugend ist die wahre Stärke dieser Nation“, fügte er hinzu. Sein Rücktritt löste Jubel unter den demonstrierenden Studierenden aus. CJP-Gründer Abhijeet Dipke sagte: „Wir haben es geschafft.“ Auf Plakaten war der Spruch „Die Kakerlaken haben gewonnen“ zu lesen, während die Menschen indische Flaggen schwenkten.

Weitere Zugeständnisse der Regierung

Neben dem Ministerrücktritt umfasst die Einigung laut CJP-Sprecher Ranka auch Entschädigungen für Studierende, die von Prüfungsunregelmäßigkeiten betroffen waren. Zudem werde die Regierung Gerichtsverfahren gegen Demonstranten einstellen. Gesundheitsminister J.P. Nadda, der die Verhandlungen für die Regierung führte, bestätigte: „Wir haben ihre Forderungen angenommen.“ Die Verhandlungen waren nicht ohne Hindernisse verlaufen: Zuvor waren Gespräche am Montag und Freitag ergebnislos geblieben. Erst am Samstag führte eine erneute Runde mit führenden CJP-Vertretern zum Durchbruch.

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Gewaltsame Zusammenstöße und viele Verletzte

Die Proteste, die als größte Straßendemonstrationen in Indien seit Jahren gelten, waren von Gewalt überschattet. Bei dem Versuch, zum Parlament zu gelangen, wurden die Demonstranten von der Polizei mit Tränengas und Schlagstöcken zurückgedrängt. Laut Polizeiangaben gab es 180 Verletzte, während die Demonstranten von „mehreren Hundert“ Verletzten sprachen. Der Protest hatte zunächst im Zentrum Neu-Delhis begonnen und sich dann auf andere Landesteile ausgeweitet. Er gilt als eine der größten innenpolitischen Herausforderungen für Premierminister Modi seit Beginn seiner dritten Amtszeit im Jahr 2024.

Unterstützung aus der Opposition und von Aktivisten

Oppositionsführer Rahul Gandhi, der die Proteste unterstützt hatte, bezeichnete Pradhans Rücktritt als „großen Schritt“. Auf X schrieb er: „Gut gemacht, liebe Studierende, wir sind stolz auf euch.“ Er forderte Modi zudem auf, sich bei den Protestierenden zu entschuldigen und Maßnahmen gegen diejenigen zu ergreifen, die sich der Gewalt gegen Studenten schuldig gemacht hätten. Auch der Aktivist Sonam Wangchuk, der sich aus Solidarität mit den Demonstranten in einen langen Hungerstreik begeben hatte, äußerte sich: „Das ist ein Sieg der Demokratie, ein Sieg des Friedens, der Geduld und der Beharrlichkeit.“

Stimmung unter den Demonstranten

Der 27-jährige Sunil, der am Samstag erstmals an den Demonstrationen teilnahm, um „die Atmosphäre zu erleben“, zeigte sich beeindruckt: „Es war wirklich mitreißend, besonders nach dem Rücktritt des Ministers.“ Er lobte die jungen Leute: „Was sie getan haben, war lobenswert.“ In dem Land mit rund 1,47 Milliarden Einwohnern hatten die Proteste eine enorme Mobilisierungskraft bewiesen – und letztlich zu einer Einigung geführt, die von vielen als historisch angesehen wird.

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