Der mutmaßlich islamistisch motivierte Anschlag in Berlin, bei dem am späten Samstagabend eine Frau getötet und 29 Menschen teils schwer verletzt wurden, wirft seine Schatten auf die Hamburger Pride Week. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) kündigte eine Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen für die anstehenden CSD-Veranstaltungen an. Der Angriff ereignete sich am Rande der Berliner CSD-Feiern, als ein Auto in eine Menschengruppe gesteuert wurde. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach am Sonntag von einem islamistischen Terroranschlag.
„Der Anschlag in Berlin überschattet auch den Beginn der Pride Week in Hamburg“, sagte Tschentscher der Nachrichtenagentur dpa. „Die Hamburger Sicherheitsbehörden tun alles, um die CSD-Demonstration und die Veranstaltungen der Pride-Week in unserer Stadt zu schützen, damit von Hamburg auch in diesem Jahr ein starkes Zeichen der Toleranz und Vielfalt ausgehen kann“, versprach er. Die Pride Week hatte an diesem Wochenende begonnen, die große CSD-Parade ist für den kommenden Samstag geplant, zu der Hunderttausende Menschen erwartet werden.
Sicherheitsmaßnahmen werden überprüft
Innensenator Andy Grote (SPD) kündigte eine detaillierte Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen an. Zwar sei das Sicherheitsniveau bei Veranstaltungen in Hamburg hoch – „gerade was den Schutz vor Überfahrtaten angeht“, sagte er. Aber: „Vor dem Hintergrund der schrecklichen Tat in Berlin werden die Sicherheitsmaßnahmen für den CSD kommende Woche in Hamburg noch einmal sorgfältig überprüft, um ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten.“ Seine Behörde stehe im engen Austausch mit der Polizei, der Innenbehörde und der queeren Community, betonte Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne). „Wir werden alles dafür tun, dass die Teilnehmenden so frei, selbstbestimmt und sicher wie jedes Jahr demonstrieren können.“
Hamburg Pride ruft zu Solidaritätskundgebung auf
Die Veranstalter der Hamburger Pride Week reagierten umgehend auf den Angriff und riefen zu einer Demonstration in der Hamburger Innenstadt auf. „Wir sind in Gedanken bei der Berliner Community“, hieß es in einem bei Instagram verbreiteten Aufruf. Die Kundgebung fand an der Ecke Neuer Jungfernstieg/Lombardsbrücke statt. Manuel Opitz, Sprecher von Hamburg Pride, betonte die Bedeutung des Zusammenhalts: „Wichtig ist, dass wir uns nicht unsichtbar machen lassen von Gewalt. Das, was wir jetzt brauchen, ist der Rückhalt aus der Stadtgesellschaft. Deswegen rufen wir alle Hamburgerinnen und Hamburger auf, sich am CSD zu beteiligen.“ Er bestätigte, dass man nach der Bluttat von Berlin im Austausch mit der Polizei stehe, nannte aber keine Details zu konkreten Sicherheitsänderungen.
Politische Bestürzung und Forderungen
Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin (Grüne), zeigte sich zutiefst betroffen. Sie sei „traurig und wütend“ und sprach ihr Mitgefühl aus: „Meine Gedanken und mein ganzes Mitgefühl sind in diesen schweren Stunden bei der verstorbenen Person, den vielen Verletzten, ihren Angehörigen und der gesamten Community.“ Dass ausgerechnet ein Fest der Liebe und Vielfalt Ziel eines mutmaßlich islamistischen Anschlags geworden sei, mache deutlich, „dass queere Menschen auch heute noch Angst haben müssen – einzig und allein deshalb, weil sie queer sind. Das ist unerträglich.“ Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft verwies auf die seit Jahren zunehmende Zahl von Straftaten gegen queere Menschen. „Hass wirkt zersetzend – ganz egal, von wo er kommt“, sagte die queerpolitische Sprecherin Carola Ensslen. „Dieser Hass darf uns aber nicht auseinanderbringen: Wir stehen gemeinsam gegen die Angriffe aller Feinde einer freien Gesellschaft.“ Auch sie forderte ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit vor dem Hamburger CSD: „Schon viel zu lange leben queere Menschen wieder in Angst, werden verfolgt und bedroht.“
Trotz Bedrohung: Zeichen der Vielfalt
Die Hamburger CSD-Parade am kommenden Samstag soll trotz der Ereignisse in Berlin stattfinden. Die Veranstalter betonen, dass man sich nicht einschüchtern lassen werde. Die Pride Week läuft noch bis zum Wochenende und bietet zahlreiche Veranstaltungen, darunter kulturelle Events und politische Diskussionen. Die Stadt bereitet sich auf einen großen Andrang vor: Im vergangenen Jahr nahmen rund 250.000 Menschen an der Parade teil. Die Sicherheitsbehörden arbeiten eng mit den Organisatoren zusammen, um ein friedliches Fest der Vielfalt zu ermöglichen.



