Waldsiedlung Zehlendorf wird Teil des Unesco-Welterbes
Waldsiedlung Zehlendorf als Unesco-Welterbe anerkannt

Die Waldsiedlung Zehlendorf in Berlin ist offiziell in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden. Das Welterbekomitee der Vereinten Nationen beschloss auf seiner Tagung im südkoreanischen Busan, die Siedlung als Erweiterung der bereits bestehenden Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ anzuerkennen. Damit erhält das farbenprächtige Viertel im Südwesten Berlins den höchsten internationalen Schutzstatus für Kulturgüter.

Beschluss in Busan: Erweiterung einer bedeutenden Welterbestätte

Die Entscheidung fiel im Rahmen der 44. Sitzung des Welterbekomitees. Bislang umfasste die Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ sechs Wohnsiedlungen aus dem frühen 20. Jahrhundert, die seit 2008 als Menschheitserbe gelten. Die Waldsiedlung Zehlendorf schließt sich diesen nun als siebte Siedlung an. Sie wurde zwischen 1926 und 1932 nahe dem heutigen U-Bahnhof Onkel Toms Hütte errichtet und umfasst rund 1100 Mehrfamilienhäuser sowie verschiedene Reihen- und Einfamilienhäuser.

Geplant wurde das Viertel von den Architekten Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg. Es steht seit 1995 unter Denkmalschutz. Die Architekten verfolgten das Ziel, kostengünstigen und dennoch qualitativ hochwertigen Wohnraum zu schaffen – ein Ansatz, der die Siedlung zu einem Wegweiser des sozialen Wohnungsbaus macht.

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Papageiensiedlung: Ein farbenfrohes Viertel mit Geschichte

Unter den Berlinern ist die Waldsiedlung auch als Papageiensiedlung bekannt. Der Spitzname rührt von den knalligen Fassadenfarben her: Die Ostseiten der Häuser sind in Gelb und Grün gehalten, die Westseiten in Braun und Bordeauxrot. Diese Gestaltung war zur Bauzeit revolutionär und sorgte zunächst für Spott. „Zigarrenkistenkunst, die nach Südamerika gehört“, soll ein Bezirksbürgermeister die Bauten damals genannt haben. Heute hingegen wird die farbenfrohe Architektur als Meilenstein der Moderne geschätzt.

Die Siedlung liegt inmitten eines Waldgebiets, was ihren Namen erklärt. Die Lage nahe dem Grunewald und die durchdachte städtebauliche Struktur machen das Viertel bis heute begehrt. Die Unesco-Auszeichnung unterstreicht den außergewöhnlichen universellen Wert dieser Wohnanlage.

Bedeutung für den sozialen Wohnungsbau

Die sechs bereits anerkannten Siedlungen – darunter die Hufeisensiedlung in Britz, die Weiße Stadt in Reinickendorf und die Siedlung Schillerpark in Wedding – gelten als Pioniere des modernen Wohnungsbaus. Sie entstanden in den 1920er und 1930er Jahren, als in Berlin eine massive Wohnungsnot herrschte. Die Architekten setzten auf Licht, Luft und Sonne und brachen mit den engen Hinterhofquartieren der Gründerzeit. Die Waldsiedlung Zehlendorf fügt sich nahtlos in diese Tradition ein.

Mit der Aufnahme in die Welterbeliste verpflichtet sich Deutschland, die Siedlung dauerhaft zu schützen und zu erhalten. Für Berlin bedeutet dies eine weitere Attraktion von Weltrang. Die Entscheidung in Busan wurde von der deutschen Delegation begrüßt: „Die Waldsiedlung ist ein herausragendes Beispiel für den sozialen Wohnungsbau der Moderne und verdient diesen internationalen Status“, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

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