Wiener Festwochen laden Trump-Unterstützer Peter Thiel aus
Wiener Festwochen laden Peter Thiel aus

Der politisch links stehende Intendant der Wiener Festwochen, Milo Rau, hatte geplant, den Trump-Fan und Milliardär Peter Thiel zu einem Gespräch über „Armageddon und Antichrist“ einzuladen. Daraus wird jedoch nichts: Nach starken Protesten zog das Festival die Einladung zurück. Die Frage bleibt: War alles nur PR?

Die „Freie Republik Wien“ und die Suche nach neuen Göttern

Bescheidenheit ist nicht die Stärke von Milo Rau. Die Wiener Festwochen, eines der bedeutendsten Kulturfestivals Europas, das Kunst mit gesellschaftspolitischen Debatten verbindet, hat er gleich zu seinem Amtsantritt 2024 zur „Freien Republik“ erklären lassen. 2025 wurde daraus – nicht nur Donald Trump kennt die Macht der Großbuchstaben – die „REPUBLIK DER LIEBE“. Neben „heißen und zartfühlenden“ Gefühlen sollten auch „düstere Gefühle“ wie Hass, Kummer und Schmerz thematisiert werden.

Und 2026? „Im dritten Jahr ihres Bestehens erklärt sich die Freie Republik Wien zur Republic of Gods.“ Das Event soll sich um Fragen drehen wie: „Welche neuen Gött:innen müssen wir gemeinsam erfinden?“ Dazu riefen der Intendant und seine Mitstreiter einen „Heiligen Frühling“ aus: „eine mythische Feier der Gotteskritik und Gottessehnsucht“. Historisch passt das zu Wien: Die Stadt wurde 1529 und 1683 von den Osmanen belagert und erlebte die Brutalität des Kampfes um den einzig wahren Gott.

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Die Idee: Thiel als Gesprächspartner

So kam Rau auf die Idee, den gläubigen Christen Peter Thiel einzuladen, um mit ihm über Gott, die Welt, Trump und andere selbsternannte Lichtgestalten der US-Identitären zu diskutieren. Der deutschstämmige Milliardär sieht nach allem, was bekannt ist, vielerorts den Antichristen am Werk, mit dem Ziel, dem Westen die Apokalypse zu bringen. Seiner Ansicht nach ist das „Endspiel“, die Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse, längst im Gange. Armageddon lässt grüßen.

Rau schaffte es spielend, Thiel in sein Konzept der „Republik der Götter“ einzubinden. Der Unternehmer sollte zu „Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur Realpolitik“ sprechen. Tech-Milliardäre wie Elon Musk, Alex Karp und Thiel spielen gerne Gott. Sie „haben eine unglaubliche Macht“, sagte Rau der „Welt“. „Sie sind einflussreicher als die Könige zu Shakespeares oder die ideologischen Führer zu Brechts Zeiten. Sie können nicht nur Kriege auslösen und beenden – sondern dann auch ganz entspannt leugnen, dass es jemals einen Krieg gegeben hat.“

Proteste und Ausladung

Der Intendant ist der Meinung: Reden hilft, auch mit Ultrarechten. Das stieß im linken Lager, dem sich Rau zurechnet, auf heftige Kritik. Ähnlich war es beim „Prozess gegen Deutschland“ in Hamburg, wo Rau ein Verbot der AfD simulierte. Nach der kontroversen Veranstaltung sei ihm klar geworden: „Wir konnten von links auf dem Feld der Identitätspolitik nie gewinnen, sondern waren bloß Steigbügelhalter der konservativen Revolution.“ Den Deutschen unterstellte er: „Die globale Rechte darf real siegen, aber sie darf nicht im Theater repräsentiert werden. Das war schon in der Weimarer Republik so: Draußen haben die Faschisten gewonnen, im Kino und den Theatern hat man emanzipatorische Komödien gezeigt.“

Ähnlich argumentierte er bei der Einladung von Thiel, der JD Vance groß gemacht und Trump geholfen hat. Rau erklärte sich gut gerüstet: „Wir hätten ihn strukturiert konfrontiert und in Kontext gesetzt und nicht einfach reden lassen“, sagte er dem „Standard“. Thiel habe zugestimmt. „Es wäre immerhin das erste Mal gewesen, dass er sich einer derartigen Öffentlichkeit stellen muss und es nicht nur im Geheimen tut.“ Theater als „Raum der Auseinandersetzung“?

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Doch der französische Soziologe Geoffroy de Lagasnerie, politisch weit links, kündigte an, nicht nach Wien zu kommen, sollte Thiel erscheinen. Das löste „erdrutschmäßig eine ganze Boykott-Bewegung von Festwochen-Teilnehmenden, die gedroht haben, abzusagen“, aus, so Rau. Daraufhin lud das Festival Thiel aus – obwohl sich der „Rat der Republik“, ein basisdemokratisches Gremium aus 80 Bürgern, für die Einladung ausgesprochen hatte. Der Rat hatte sich zehn Regeln gegeben, darunter: „Nur vielfältige Perspektiven ermöglichen ein vielfältiges Programm“ und „Die Freie Republik Wien macht das Theater zu einem Raum der Auseinandersetzung.“ Die Kluft zwischen Anspruch und Realität fliegt Rau nun um die Ohren.

Reaktionen und Kritik

„Es ist schade“, sagte Rau. Thiel habe fast erwartet, dass die Einladung zurückgezogen wird, und verglich die Situation mit einem Stück von Antonin Artaud, dem Theater der Grausamkeit. Die FAZ kritisierte scharf: Herausgeber Jürgen Kaube sprach von der „Republik des Milo Rau, die eine Monarchie der Selbstvermarktung eines Diskursdarstellers ist“. Die FPÖ forderte die „sofortige Absetzung“ des Intendanten: „Die Wiener Festwochen sind unter Milo Rau endgültig zu einer heruntergekommenen linken Agitationsbühne ohne künstlerischen Mehrwert verkommen“, so Kultursprecher Lukas Brucker.

Statt über Thiels apokalyptischen Pessimismus und autoritäre Bestrebungen zu diskutieren, dreht sich die Debatte nun um die Ein- und Ausladung – ein gefundenes Fressen für die politische Rechte. Ob alles nur PR war, bleibt offen. Fest steht: Die Wiener Festwochen haben einmal mehr für Aufsehen gesorgt, aber vielleicht nicht im gewünschten Sinne.