Charli XCX veröffentlicht ihr neues Album „Music, Fashion, Film“ und beweist einmal mehr, wie geschickt sie die Kunst der Selbstinszenierung beherrscht. Die 33-jährige Britin, die mit bürgerlichem Namen Charlotte Emma Aitchison heißt, sorgte zuletzt mit ihrem Album „Brat“ für einen Sommer voller Hype und prägte die Pop- und Internetkultur nachhaltig. Nun schlägt sie mit rockigeren Klängen und einer ironischen Meta-Ebene ein neues Kapitel auf.
Madonna-Gerüchte und die Kunst der Provokation
Kürzlich sorgte Madonna für Spekulationen, als sie auf Instagram schrieb: „If your Dance floor feels dead/ Maybe you're playing the wrong music“. Viele Fans deuteten dies als Seitenhieb auf Charli XCX, die in ihrem neuen Song „Rock Music“ den Tod der Tanzfläche beschwört: „I think the dance floor is dead/ So now we're making rock music“. Ob Madonna tatsächlich auf die Britin anspielte, bleibt offen – doch Charli XCX dürften solche Gerüchte in die Karten spielen, denn sie beherrscht das Spiel aus Internet-Hype, Ironie und künstlerischem Anspruch wie kaum eine andere.
Vom Hyperpop zum Rock: Ein bewusster Bruch
Charli XCX wurde Anfang der 2010er-Jahre mit Hits wie „Break the Rules“ und „Boom Clap“ bekannt. In den letzten Jahren stand sie für eine Mischung aus Hyperpop und tanzbarem Electro. Die bislang veröffentlichten Songs aus „Music, Fashion, Film“ klingen dagegen rockiger und lauter mit rauen Gitarren-Sounds. Dieser Wandel überrascht nicht, denn die Sängerin hat eine Vorliebe dafür, ihren Sound immer wieder neu zu erfinden und so die Diskussion über sich selbst am Laufen zu halten. Der „Spiegel“ bezeichnete sie einst als das „menschgewordene Internet“, das die Kunst beherrsche, „das Netz ins echte Leben zu übersetzen und für sich zu nutzen“.
„Brat“-Hype und Selbstironie
Mit ihrem Album „Brat“ (deutsch: Göre) löste Charli XCX einen Trend aus, der eine Gegenbewegung zur „Clean-Girl-Ästhetik“ darstellte. In einem BBC-Interview erklärte sie, man brauche nur ein Top ohne BH, ein Feuerzeug und eine Packung Zigaretten, um „Brat“ zu sein. Der Begriff wurde in Großbritannien vom Collins Dictionary zum Wort des Jahres 2024 gekürt. Das giftgrüne Cover inspirierte Memes und Mode, und selbst das Team von Kamala Harris nutzte den Hype. Doch statt den Erfolg auszusitzen, inszenierte Charli XCX das Ende des Hypes selbst: In der satirischen Kurzfilm-Parodie „The Moment“ spielt sie eine überzeichnete Version ihrer selbst und erklärt „Brat“ für beendet. Dem „Rolling Stone“ sagte sie: „Alle meine Alben spielen mit Gegensätzen. Sie stehen im Widerspruch zueinander. Genau das ist das verbindende Element.“
„Music, Fashion, Film“ als Selbstporträt
Der Albumtitel „Music, Fashion, Film“ liest sich wie eine Selbstbeschreibung der Künstlerin, die weit über die Musik hinausgeht. Charli XCX ist nicht nur eine versierte Songwriterin, die unter anderem für Camila Cabello und Selena Gomez schrieb, sondern auch leidenschaftliche Cineastin. Sie ist ein großer Fan des deutschen Regisseurs Werner Herzog und nutzt aktiv die Plattform Letterboxd. Auch in der Modewelt mischt sie mit: Ihre eigenwilligen, edgy Outfits gelten als stilprägend. Auf dem Albumcover sind Musiker John Cale, Designer Marc Jacobs und Regisseur Martin Scorsese versammelt – eine Anspielung auf ihre vielfältigen Interessen.
Kein Streit mit Madonna
Die Gerüchte um einen Streit mit Madonna haben sich inzwischen erledigt. Bei der Modenschau von Saint Laurent auf der Paris Fashion Week saßen die beiden Popstars kürzlich nebeneinander und umarmten sich herzlich. Charli XCX bleibt damit ihrem Image treu: Sie provoziert, spielt mit Klischees und erfindet sich stets neu – ganz nach dem Motto ihres Albums „Music, Fashion, Film“.



