David Egger steht vor dem größten Floor des Fusion-Festivals an der Mecklenburgischen Seenplatte: der Turmbühne. „Wenn die Leute kommen und der erste Beat kommt, dann ist da schon immer Gänsehaut – das wird sich auch nie verändern“, sagt der 42-jährige Lichtdesigner. Zusammen mit Sebastian Mähler ist er für rund 300 Lampen auf dieser Bühne verantwortlich.
Von Gast zum Gestalter: Eggers Weg zur Fusion
Egger war vor etwa 20 Jahren zum ersten Mal auf dem alternativen Musik- und Kulturfestival, damals noch als Gast. „Es war schon mindblowing“, erinnert er sich. Inzwischen sind er und Mähler feste Bestandteile der Fusion. Das Festival gilt als eines der größten in Deutschland und Europa und lockt jährlich rund 65.000 Gäste an. Es verbindet Techno, Rock, Pop mit Theater, Kunst, Workshops und politischer Bildung.
Besondere Freiheit: „Es darf auch mal schiefgehen“
Sebastian Mähler, der sonst als Beleuchtungsmeister an der Berliner Volksbühne arbeitet, schätzt die kreative Freiheit auf der Fusion: „Das Besondere ist natürlich, dass man Konzepte fahren kann, die nirgendwo anders gehen, weil eben auch mal etwas schiefgehen darf. Deswegen traut man sich natürlich auch viel mehr.“ Zum Glück gehe es aber öfter gut als schief, fügt der 40-Jährige hinzu.
Herausforderungen und Organisation
Rund 250 Crews und mehr als 10.000 Menschen aus aller Welt arbeiten hinter den Kulissen. Neben der Turmbühne gibt es etwa 40 weitere Bühnen und Spielstätten. „Die letzten Monate waren eigentlich wie ein zweiter Vollzeitjob“, sagt Nikolay Veter, der zusammen mit Anaïs Kohler und Jan Gerlach die Dubstation, eine der ältesten Bühnen, betreut. Trotz des Aufwands lohne es sich: „Es ist wirklich ein besonderer Raum. Klar, es geht natürlich um Selbstentfaltung, aber auch darum, zusammen etwas zu schaffen. Das fehlt in der Gesellschaft oft. Eben nicht einfach Arbeit auszuführen, dessen Früchte man gar nicht so wirklich wahrnimmt.“
Zwischenfall und Zukunftspläne
Am vergangenen Donnerstagabend musste das Festival wegen Bränden kurzzeitig unterbrochen werden. Für 2027 planen die Organisatoren eine Pause. Max Weidling vom Verein Kulturkosmos Müritz erklärt: „Wir wollen über inhaltliche und strukturelle Möglichkeiten nachdenken.“ Zudem solle das Gelände auf dem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz landschaftlich gepflegt werden, etwa um den Boden aufzulockern und zu glätten.
Emotionale Bindung und Ausblick
Auf das fusion-freie Jahr blicken die Lichtdesigner gelassen. „Es ist auch Stress“, sagt Egger, besonders in den Wochen vor Festivalstart. Auf der anderen Seite lasse man seinen Alltag für eine Weile hinter sich und tauche in eine andere Welt ein. Mähler ergänzt: „Eine Pause lasse Raum für grundsätzliche Überlegungen. Ich kann mich an den Gedanken gewöhnen, dass es sie ein Jahr nicht gibt. Aber ich fände es fürchterlich, wenn es die Fusion nicht mehr gäbe.“



