Los Angeles (USA) – Er war der Schwarm einer ganzen Generation. Millionen Frauen lagen ihm zu Füßen, seine Platten verkauften sich über 150 Millionen Mal. Lange bevor Superstar Harry Styles (32) Arenen füllte oder Romantik-Guru Ed Sheeran (35) die Herzen der Fans eroberte, gab es einen Mann, der all das schon erlebt hatte: Engelbert Humperdinck (90). Heute ist die Musik-Legende 90 Jahre alt und denkt nicht an Ruhestand. Im Gespräch mit BILD zeigt der „King of Romance“, warum er noch immer um die Welt reist und wie er den Verlust seiner großen Liebe verarbeitet.
Der Mann, der die Welt verführte
Engelbert sitzt am Esstisch seines vertäfelten Wohnzimmers, als er mit BILD telefoniert. Hinter ihm auf dem Kaminsims steht ein Foto seiner Eltern. Der Sänger wirkt sehr fit, nicht wie 90. Ans Aufhören denkt er nicht. Abgesehen von der Pandemie stand er jedes Jahr auf der Bühne. Als er Anfang vergangenen Jahres nach einer Tour drei Monate zu Hause blieb, merkte er schnell, dass Stillstand nichts für ihn ist. „Ich wurde verrückt. Ich bin die Wände hochgegangen.“ Also sagte er seinem Manager: „Das ist nicht meine letzte Tour. Bucht mich weiter auf der ganzen Welt.“
Training wie ein Profi unter Wasser
Während andere Menschen mit 90 den Alltag entschleunigen, plant Humperdinck rund 50 Konzerte. Australien, Neuseeland und auch Deutschland. Eine Rückkehr, auf die er sich besonders freut. „Vielleicht ist jetzt die richtige Zeit, den Fans zu zeigen, was ich heute mache.“ Sein Erfolgsrezept klingt simpel, ist aber knallhart: Er trainiert im Pool, unter Wasser, damit es anstrengender, aber gelenkschonender wird. Vor Konzerten gönnt er sich ein Dampfbad: „Das entspannt mich. Gott sei Dank geht es mir gesundheitlich gut.“
Die Liebe seines Lebens und der Schmerz, der bleibt
Seine Lebensphilosophie fasst er in einem Lied zusammen: „Don't Let The Old Man In“. Die Botschaft: Das Alter darf nicht bestimmen, wie man lebt. Hinter seinem sympathischen Lächeln steckt Schmerz. Seit dem Tod seiner Frau Patricia (†85) vor fünf Jahren haben seine Liebeslieder eine neue Bedeutung: „Wenn ich heute die Texte singe, empfinde ich sie viel intensiver. Wenn ich auf der Bühne stehe, habe ich oft das Gefühl, als würde ich die Lieder nur für meine Frau singen. Die Gefühle sind noch viel stärker geworden. Liebe ist das, was die Welt bewegt, und das was bleibt. Das weiß ich heute mehr denn je, deshalb singe ich darüber.“ Der britische Sänger war von 1964 bis zu ihrem Tod im Februar 2021 mit der Schauspielerin und Tänzerin Patricia Healey (†85) verheiratet. Healey erkrankte 2007 an Alzheimer und starb später an Corona.
Was von einer Legende bleibt
Wenn er an sein Lebenswerk denkt, wird Humperdinck ruhig: „Mein Vermächtnis ist meine Musik. Meine Stimme. Mein Charakter.“ Und woran sollen sich die Menschen erinnern? „An meine Musik. Und daran, dass ich ein netter Kerl war.“ Besonders dankbar ist er für das Jahr 1967, für den Song, der alles veränderte: „Release Me“. Er: „Dieses Lied hat mir eine Zukunft geschenkt, die ich mir nie hätte vorstellen können.“ Fast sechs Jahrzehnte später steht Engelbert Humperdinck immer noch auf der Bühne. Mit derselben Leidenschaft. Derselben Stimme. Derselben Dankbarkeit. Er schickt einen Gruß nach oben: „Gott hat mir die Kraft gegeben, weiterzumachen.“ Zum Schluss hat er eine Botschaft an seine Fans: „Ich komme zurück nach Deutschland. Ich hoffe, ihr erinnert euch an meine Musik. Kommt zu meinen Konzerten und habt Spaß mit mir.“ Und was macht einen 90-jährigen Weltstar glücklich? Humperdinck: „Ein kleines Williams-Schnäpschen, das gibt Schwung.“ Engelbert kommt am 15. August nach Westhofen (Rheinland-Pfalz) und am 22. August nach Bremen.



