Es dauerte nur drei Sekunden. Ein kurzer Kameraschwenk, mehr nicht – und doch war es genau dieser Moment im Fernsehen, der zeigte, wie viel Anerkennung Johann Lafer (68) sich in seiner Kindheit gewünscht hatte. Als seine Eltern ihn in einem Porträt über den Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann (85) zufällig von der Seite erkannten, verstanden sie zum ersten Mal, was aus ihrem Sohn geworden war – ein Moment, der für Lafer bis heute alles verändert hat.
Der Wendepunkt im Fernsehen
Lafer erinnert sich noch genau an diese Szene. „Ich selbst war nur drei Sekunden im Bild. Man konnte mich nur von der Seite erkennen. Und plötzlich fingen meine Mutter und mein Vater an zu weinen vor dem Fernseher“, sagt Lafer im BILD-Podcast „MayWay“. Für ihn war das ein Wendepunkt: „Das war das erste Mal, wo ich das Gefühl hatte: Die waren stolz auf mich. Das erste Mal, wo die gesagt haben: Jetzt verstehen wir, was der arbeitet.“ Seinen Eltern, die ihre Zuneigung im Alltag kaum zeigen konnten, verzeiht er das längst: „Das war die Ehrlichkeit der Menschen, die es nicht anders wussten und kannten. Das ist kein Vorwurf.“
Kindheit auf dem Bauernhof
Diese Zurückhaltung hatte einen Grund. Lafer wuchs auf einem kleinen Bauernhof in der Oststeiermark auf, unter Verhältnissen, die er selbst so beschreibt: „Wir hatten nichts. Ich sag’s so, wie es ist. Mein Vater ging zur Arbeit, um das alles zu bezahlen. Und wir haben ausschließlich gelebt von dem, was wir selbst hatten.“ Selbst Eierschalen wurden nicht weggeworfen, sondern getrocknet und zurück an die Hühner verfüttert – „das hat mich so geprägt. Die Ehrlichkeit des Produktes. Und die Tatsache, dass die Natur brutal ist.“ Als er als junger Mann von zu Hause wegging, gab ihm seine Mutter 500 Schilling. „Und da habe ich gedacht: Das ist ihr ganzes Vermögen. Dieser Moment hat mich nie verlassen.“ Eigentlich wollte er Priester werden, doch „meine Eltern konnten sich das Internat nicht leisten“ – also wurde er Koch, mit allen Entbehrungen, die dazugehörten.
Erfolg als Droge – und verpasste Momente
Genau dort liegt bis heute sein größter Konflikt. Der Erfolg kam, doch er forderte seinen Preis: „Erfolg ist eine Droge. Für mich zumindest war es so.“ Das Karussell aus Restaurant, Fernsehen, Kochschule und Terminen drehte sich immer schneller – „und das ist ein verdammter Kreislauf. Der ist brutal zu bewältigen“. Besonders schwer wiegt bis heute, dass er bei der Geburt seines Sohnes fehlte, weil Bundeskanzler Gerhard Schröder (82) im Restaurant frühstückte. „Das würde ich heute nicht mehr machen. Das war kompletter Schwachsinn. Ich habe heute noch ein schlechtes Gewissen meiner Frau gegenüber und meiner Familie.“
Intensive Zeit statt Quantität
Seine größte Angst war stets, dass seine Kinder ihm eines Tages die verlorene Zeit vorwerfen würden – „dass die Kinder sagen: Papa, du hast nie Zeit für uns gehabt“. Seine Antwort darauf fand er in kleinen, aber intensiven Momenten: „Wenn auch nicht die Menge der Zeit, aber die Intensität der Zeit“, etwa bei gemeinsamen Ausflügen in den Tierpark an seinen freien Montagen.
Krebserkrankung als Weckruf
Seit Anfang des Jahres kämpft Lafer gegen Lymphdrüsenkrebs und durchläuft eine Chemotherapie, die ihm Kraft, Haare und Gewicht genommen hat – nicht aber seinen Lebenswillen. „Sterben ist für mich keine Option“, stellte er dazu klar. Angst vor dem Tod hat er dennoch nicht: „Durch den Abschied von meiner Schwiegermutter auf dem Sterbebett habe ich diese größere Angst vor dem Tod verloren. Wir sind Gast auf Erden. Es ist endlich.“ Was er sich wünscht, ist einfach: „Ich hoffe nur, dass ich noch möglichst lange Gast sein darf.“ Die Krankheit habe ihn zugleich dankbarer gemacht: „Ich will leben, arbeiten, lieben, weiter Ideen haben. Ich nehme nichts mehr als selbstverständlich hin und weiß meine Frau und meine Kinder und das Leben, das wir führen dürfen, noch einmal mehr zu schätzen.“



