Olivia Rodrigo: Debatte um Babydoll-Kleid und mädchenhafte Ästhetik
Olivia Rodrigo: Babydoll-Kleid löst Debatte aus

Olivia Rodrigo und die Debatte um ihr Babydoll-Kleid

Olivia Rodrigo, eine der derzeit talentiertesten Songwriterinnen im Pop, sorgt mit ihrer mädchenhaften Ästhetik für Diskussionen. Die 23-Jährige, die jetzt ihr neues Album veröffentlicht hat, trägt bei öffentlichen Auftritten bevorzugt ein Babydoll – ein extrem kurzes, ausgestelltes Nachthemd. Im neuen Musikvideo ist sie mit Rüschen-Shorts zu sehen. Manche kritisieren, sie inszeniere sich bewusst kindlich.

Mehr als nur ein Stil: Die Debatte um Wahrnehmung und Bewertung

Hinter der Debatte steckt mehr als eine reine Stilfrage. Es geht um die Wahrnehmung und Bewertung weiblicher Popstars und warum ihr Äußeres oft lauter spricht als ihre Kunst. Das neue Album von Rodrigo, „you seem pretty sad for a girl so in love“, ist beeindruckend und zeigt ihr Talent für epische Spannungsbögen im Pop. Klavierballaden schwellen langsam an und entladen sich in treibenden Rhythmen, leise mit Streichern unterlegt.

Was ist „Girlhood“?

Rodrigos Outfits verweisen auf das Popkultur-Phänomen „Girlhood“: eine verspielte, solidarische Feier des Mädchenseins. Filmemacherin Sofia Coppola hat dies mit Filmen wie „The Virgin Suicides“ populär gemacht. Es geht um ästhetisierte Inszenierungen mit Schleifen, Pastelltönen, Glitzer und Tagebuchästhetik, die Gemeinschaft, Emotionalität und Selbstfindung symbolisieren.

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Kritiker werfen Rodrigo eine gefährliche „Infantilisierung“ vor. Sie bediene ein Frauenbild, das Weiblichkeit bewusst kindlich und gleichzeitig sexy inszeniere und patriarchale Fantasien reproduziere. Andere sehen darin ein bewusstes Spiel mit Zuschreibungen, indem sie stereotype Bilder überzeichnet und sichtbar macht.

Warum weibliche Popstars anders gelesen werden

Rodrigo und Sabrina Carpenter, die ebenfalls Babydoll-Kleider trägt, zeigen, wie Frausein im Pop verhandelt wird. Weibliche Popstars werden bis heute stark über ihr Äußeres definiert. Musikwissenschaftlerin Penelope Braune sagt: „Das Problem ist nicht, dass eine Frau ein kurzes, verspieltes Kleid trägt, sondern eine Kultur, die weibliche Körper permanent sexualisiert und dann Frauen dafür verantwortlich macht.“

Reclaiming und seine Ambivalenz

Viele Künstlerinnen spielen bewusst mit Objektifizierung, indem sie Schönheitsideale ironisch überzeichnen oder die eigene Körperlichkeit demonstrativ thematisieren. Dieses „Reclaiming“ birgt jedoch Ambivalenz, da die Grenze zwischen Zuschreibung und Selbstverantwortung verschwimmt. Popkultur findet nicht im luftleeren Raum statt, hinter jedem Look stehen Industrie, Plattformlogiken und Vermarktung.

Rodrigos Bezug zur Riot Grrrl-Bewegung

Rodrigo selbst bezieht sich auf die Riot Grrrl-Bewegung der 90er Jahre. Musikerinnen wie Courtney Love trugen mädchenhafte Outfits, kontrastiert mit Springerstiefeln und wütenden Lyrics, um Rollenbilder durcheinanderzubringen. Rodrigo sagt, die Kritik an ihren Babydoll-Kleidern mache sie „wirklich wütend“. Es zeige, wie Pädophilie normalisiert werde und Mädchen von klein auf beigebracht werde, dass sie selbst schuld seien, wenn Männer ihren Körper sexualisieren.

Erfolg und Unterstützung

Musiker wie Robert Smith und Courtney Love äußern sich wohlwollend über Rodrigo. Sie hat bereits eine Reihe von Hits geschrieben, die mit der Pop- und Rockgeschichte der 80er und 90er Jahre spielen. Ihre Single „drop dead“ erreichte Platz 1 der Billboard-Charts, und ihre Welttournee ist ausverkauft.

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