Im Fall der tödlich verunglückten brasilianischen Studentin Maria (21) hat die Polizei drei weitere Festnahmen vollstreckt. Die 29-jährige Frau aus Rio de Janeiro, der 25-Jährige aus Limeira und der 27-Jährige aus Indaiatuba stehen im Verdacht, Beweise unterdrückt zu haben. Dies teilte das Sekretariat für öffentliche Sicherheit des Bundesstaates São Paulo mit.
Verdacht auf Beweismittelunterdrückung
Die Ermittler gehen davon aus, dass die Verdächtigen die GoPro-Kamera, die Marias Sturz aufzeichnete, verschwinden ließen und möglicherweise Aufnahmen löschten. „Im Zuge der Ermittlungen wurden Hinweise gesammelt, die auf eine mögliche Unterdrückung von Beweismitteln hinweisen, die für die Ermittlungen relevant sind. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Verschwinden der Kamera, die das Opfer während des Sprungs benutzte“, erklärte der zuständige Delegierte. Die Kamera ist weiterhin verschwunden.
Drei Festnahmen bereits am Todestag
Bereits am Tag des Unglücks waren drei Personen festgenommen worden, die für die Sicherheit von Maria verantwortlich waren. Sie hatten vergessen, die 21-Jährige an dem lebensrettenden Seil zu befestigen, bevor sie von einer rund 40 Meter hohen Brücke bei São Paulo sprang. Die Studentin stürzte in die Tiefe und erlitt tödliche Verletzungen.
Experte spricht von „purer Fahrlässigkeit“
Der erfahrene Bungee-Jumper Chris Batte, der seit über 30 Jahren in der Branche tätig ist, äußerte sich gegenüber der „New York Post“ schockiert. Er sieht zahlreiche Warnsignale, die schon vor dem Unfall erkennbar gewesen seien. „Die offensichtlichen Anzeichen wären meiner Meinung nach: Wird es wie ein Unternehmen geführt? Ist es professionell organisiert? Gibt es eine klare Führungsperson, die die Mitarbeiter anleitet? Wenn es keine Person gibt, die die Führung übernimmt, und eine weitere, die als Backup fungiert, ist das ein deutliches Warnsignal“, so Batte.
Verdächtige schieben Verantwortung hin und her
In Verhören gaben die Beschuldigten an, dass niemand genau wisse, wer an dem Tag für die Sicherung zuständig gewesen sei. „Einer bringt normalerweise das Seil an, der andere kontrolliert. Manchmal macht es der eine, manchmal der andere“, sagte ein Verdächtiger. Ein anderer behauptete: „In 99 Prozent der Fälle unterstütze ich lediglich den Ablauf.“ Ein dritter erklärte: „Ich bin zuerst nach vorn gegangen. Danach kann ich mich nicht mehr erinnern.“
Batte: Es gab viele Chancen, Maria zu retten
Für Batte war ein entscheidendes Warnsignal in dem Video das Fehlen von Sicherungen wie Verbindungssystem, Fußmanschetten oder Sprunggurt, zusätzlichem Körper- oder Auffanggurt sowie geprüften Karabinern und Anschlagpunkten. Die Aufnahmen des Unfalls, die weltweit verbreitet wurden, bezeichnete Batte als „unglaublich“. „Genau das ist es, was uns alle so sehr bedrückt: dass es so viele Gelegenheiten gab, dieses Mädchen zu retten“, sagte er.



